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Veröffentlicht am 28.03.2017 von nemesis

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Annihilator

Slayer´s kleine Nachtmusik

Auch wenn Carnival Diablos bislang nur angekündigt war und noch gar nicht in den Läden stand, überschlug sich die Presse vorab schon Lobhudelei über den Streich von Jeff Watson und seinen Jungs. Eigentlich sollte dieses Interview auch mit Jeff stattfinden, aus unerfindlichen Gründen rief ein allerdings ein gut gelaunter Joe Comeau an, seines Zeichens bei diesem Scheibchen Neuzugang am Mikro bei den Thrashern. Und bevor ich auch nur eine einzige Frage stellen konnte, wurde ich gelöchert, dass es so viele Clubs in Deutschland gäbe. Ja, und weiter…?

„Ich hatte einen Teil der Overkill-Tour mitgemacht. Da gab´s wirklich viele tolle Clubs, die auch lange geöffnet hatten. Okay, die Musik ist zum Großteil allerdings scheiße, hihi“, brabbelte der Neue drauf los. Nun, dieser Aussage ist leider kaum etwas entgegenzusetzen, aber das scheint ein allgemeines Phänomen zu sein – Genre-Clubs sind eben überall selten – außerdem muss man vielleicht bezüglich der Qualität mancher Lokalitäten nicht einer Meinung sein. Irgendwann bekamen wir aber doch die Kurve hin zum Annihilator-Album.

Gekonnter Change

„Die Reaktionen waren überwältigend, manche behaupten gar, es sei das beste Album, das von Annihilator bisher kam.“ Klar, ist ein Sängerwechsel angesagt, spitzen Fans und Presse umso mehr die Ohren, was das Gedöns um gerade dieses Album absolut erklärte. Und es mag auch sicher gelegen haben, dass selten eine Band derart viele Facetten ihrer vergangenen Scheiben auf einer zusammengewurschtelt hat ohne dabei den ursprünglichen Stil tot zu walzen.

„Ich denke, in Carnival Diablo’ steckte von jeder Annihilator-Platte etwas. Uns freute es natürlich ungemein, dass die Scheibe den Leuten so gut gefiel. Während Jeff wieder an der Musik bastelte, war es diesmal an mir, die Lyrics und Gesangslines auszuarbeiten. Wir waren gegenseitig von unseren Ideen sehr angetan. Nachdem Jeff die meisten Songs ja schon so gut wie fertig hatte, war es für mich eine Herausforderung, hier passende Texte und Vocal-Lines zu finden. Eine Herausforderung, die mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Eigener Kopf über Einfluss

Viele wollen Kreativität beim Songwriting erzwingen, sie haben zu viele Einflüsse aber zu wenig eigene Ideen. Sicher haben wir alle auch unsere Einflüsse, aber wir setzen sie auf unsere ganz eigene Art um. Unsere Einflüsse liegen uns einfach, daher kommt der Prozess sehr natürlich.“ In Joe´s Augen sind nicht die Künstler die besten, die sich zu Hause einigeln, wenn sie an neuem Material arbeiten und sich weigern, sich mit irgendetwas anderem zu beschäftigen.

„Man sollte als Musiker nicht nur eine Sache an sich heranlassen. Man sollte aus allem, was sich einem bietet, aussieben und das Beste für sich und seinen Stil herausziehen. Natürlich unter dem Gesichtspunkt, ob es einem auch wirklich entspricht. Ich denke allerdings auch, dass der Arbeitsprozess auch von der persönlichen Einstellung zur Musik abhängt. Ich hatte zum Beispiel noch nie eine Phase, in der es mir nicht möglich gewesen wäre, Musik zu machen. Wenn ich scheiße drauf bin, kann Sound meine Laune heben, also warum sollte ich mich dann diesem Gefühl versperren.“

Wenn Druck doch konstruktiv ist

Wut im Bauch kann auch nicht selten zu guten Leistungen führen. Zumindest scheint der Entstehungsprozess von Carnival Diablos hierfür ein gutes Beispiel zu sein, wie Joe erzählt: „Es war einfach Druck da, als wir am Songwriting und an der Produktion arbeiteten. Durch diesen Druck wurde ich schon ein wenig sauer, entwickelte aber auch mehr Willen, gute Arbeit abzuliefern. Ich fühlte mich richtig gefordert.“ Nicht nur das selbst vor sich hin Musizieren gibt dem Shouter eine Menge… „Musik zu hören, mich damit zu beschäftigen, holt mich einfach raus. Andere können nicht schlafen, wenn dabei Musik läuft. Ich höre des Öfteren mal leise Slayer beim Einschlafen.

Wenn ich dann morgens aufwache, drehe ich die Anlage voll auf. So kann der Tag mit einer Menge Power anfangen. Es muss allerdings nicht Slayer sein, aber eben Metal. Viele, die sich mit dieser Musik und der Szene nicht so stark beschäftigen, denken, dass die Fans und auch die Musiker den Sound viel zu wichtig nehmen. Doch ganz ehrlich: Lieber nehme ich Mucke wichtig und ziehe mich daran hoch als dasselbe mit Drogen zu versuchen. Heavy Metal is not a bad thing, it´s a good thing. Andererseits finde ich es traurig, wie wenig Künstler sich für die Kids, die sich ihre Musik reinziehen, verantwortlich fühlen. Den meisten geht es nur darum, dass die Kids die Platten kaufen und mögen.“

Der eigene Anspruch an die Lyrik

Joe selbst sah seine Verantwortung darin, neben klasse Musik, die Carnival Diablos ohne Zweifel bietet, auch entsprechende Texte zu verfassen. „Die Hörer müssen sich damit nicht auseinandersetzen, aber wenn sie es wollen, haben sie die Möglichkeit, auch in dieser Hinsicht vielleicht etwas für sich herausziehen zu können. Umgekehrt sind mir die Texte bei anderen Bands selbst nicht so wichtig. Von Megadeth´s Lyrics habe ich keine Ahnung, aber die Mucke ist einfach toll. Mir ist es wichtig, die Message der Songs zu wissen, die ich singe. Bei Konzeptalben sind mir die Texte nicht ganz so egal, allerdings reicht es mir, die Geschichte als Gesamtes bei einer solchen Scheibe zu kennen.

Wobei ich hier selbst bei Queensryche´s Operation: Mindcrime, einen wirklichen Jahrhundertscheibe, passen muss. Mir geht einfach der Sound unter die Haut. Und außerdem kann man den Zusammenhang und die Aussage auch an der Atmosphäre der Musik erkennen und erfühlen.“

Discographie

Demos:

1985: Welcome to Your Death
1986: Phantasmagoria
1987: Unbetiteltes Demo
1988: Alice in Hell (Demo)

Studio:

1989: Alice in Hell
1990: Never, Neverland
1993: Set the World on Fire
1994: King of the Kill
1996: Refresh the Demon
1997: Remains
1999: Criteria for a Black Widow
2001: Carnival Diablos
2002: Waking the Fury
2004: All for You
2005: Schizo Deluxe
2007: Metal
2010: Annihilator
2013: Feast
2015: Suicide Society

Live:

1996: In Command Live 1989
2003: Double Live Annihilation
2009: Live at Masters of Rock

Kompilationen:

1994: Bag of Tricks (Rare Tracks)
2004: The Best of Annihilator

Singles und EPs:

1990: Stonewall
1991: Never, Neverland
1993: Set the World on Fire
1993: Phoenix Rising
2004: The One (EP)

Videos und DVDs:

2006: Annihilator: Ten Years in Hell (2 DVDs)
2009: Annihilator – Live at Masters of Rock

photocredit: By Jonas Rogowski (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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