Bands

Veröffentlicht am 23.10.2016 von nemesis

0

Calvarium

Inspiration aus dem tiefsten Selbst

Die finnischen Death-/Thrash-/Black-Metaller Calvarium heizten der Szene mit ihrem Scheibchen The Skull Of Golgatha ganz gewaltig ein. Nicht nur, dass die Songs einigen anderen Combos in diesem Genre die Kinnlade gen Boden fallen lassen dürften, auch die Produktion und Umsetzung des kreativen Potentials war mal so richtig satt. Die ganze Band, also Sänger Molestor Kadotus, Gitarrist & Basser Veilroth und Drummer Lord Sargofagian hatten sich zu diesem Interview eingefunden. Und bereits vor Calvarium hatten die Musiker ihr Unwesen getrieben. Bis heute gilt Calvarium nicht als aufgelöst, man darf also gespannt sein, was uns dann doch noch künftig blühen dürfte nach diesem kleinen Rückblick und Portrait.

Beschäftigungsnot? Niemals

„Ich war von 1995 bis 2000 bei Alghazanth – dann gründete ich Calvarium. Der Hauptgrund für eine neue Band war, dass wir den alten Zeiten des Metals huldigen wollten und auch unsere, also Sargofagian´s und meine Ideologie in der Musik auszuleben. Zudem bin ich noch bei Behexen dabei, aber das ist eine andere Geschichte“, wie Veilroth erzählte.

„Wir beschäftigen uns sehr mit Okkultismus, der dunklen Seite des Lebens – in unserer Musik und dieser Band können wir das nun auch sehr gut ausarbeiten. Die Inspiration zur Musik und den Texten kommt aus unserem tiefsten Selbst. Das ist auch die einzige Idee, die hinter unserer Musik steckt. Wie die Songs am Ende klingen, um welche Themen sie sich genau drehen, ergibt sich daraus“

Im skandinavischen Bereich wurde das Album schon einen Tick früher auf den Markt gebracht und während sich der Rest der Welt gerade mal anfing, sich mit dem Album eingehender zu beschäftigen, ging dort oben schon richtig die Post ab.

Wenn´s irgendwie dann doch nicht passt

„Obwohl die Leute hier mehr diesen spacigen Black Metal hören wollen. Meiner Meinung nach finden sich bei vielen Bands, die diese Richtung verfolgen, keine Übereinstimmungen zwischen dem, was sie machen, und der eigentlichen Ideologie dahinter. Viele zwingen sich dazu, Black Metal zu spielen – das ist keine einfache Behauptung, bei einigen weiß ich es. Die, die wirklich dahinter stehen, liefern allerdings einen geilen Job ab“, gab der Klampfer zu bedenken. Und dass er sich wirklich mit Metal auseinandersetzt, merkte man schon an folgender Aussage:

„Metal ist mein Leben – ich lebe und atme es. Die Szene hier in Finnland ist großartig, es gibt eine Menge cooler Bands, auch aus dem Nicht-Black-Metal-Bereich wie Machine Men, Deathchain, oder im extremeren Bereich Combos wie Musta Surma, Horna, Behexen, die mir super gut gefallen und die auch eine Menge bieten. Das einzige, das ich nicht verstehen kann, warum auch so viele Arschkriecher, Möchtegerns und Nachahmer in der bekannteren Szene unterwegs sind. Viele ‚preisen’ wohl eher die Musiker als die Idee hinter der Musik, wenn man das mal so formulieren darf. Und in manchen Bereichen des Metals geht es eben um die Aussage, die Idee hinter dem Sound.“

Da muss man Veilroth schon Recht geben, wenn vielleicht auch mit einigen Abstrichen. Doch würde seine Einstellung auch wieder das Miteinander in der Szene mehr an den Tag bringen und nicht das eigenbrötlerische Verhalten, dass manche zelebrieren.

„The Dark Blessed Elite“

Böse schminken und das war´s dann?

Nicht jeder Metalhead ist automatisch ja auch gleich ein großer Black Metal-Fan – meist allein schon wegen des kaum vorhandenen Gesangs. Zum anderen, weil viele Combos einfach nur kindergartenmäßig angeschmiert auf die Bühne hopsen, einen auf böse machen und dann meinen, das sei Black Metal. Wie Veilroth gesagt hat, Authentizität gehört halt einfach auch dazu. “Mit Klischees allein ist es echt nicht getan. Man sollte Dinge aus Überzeugung machen, vor allem in der Kunst. Das ist meine Meinung.“ Die Band war mit diesem Album bei Dynamic Arts Records unter Vertrag, was auch relativ schnell ging, zumal Veilroth auch in das Label involviert war.

„So habe ich auch einen guten Überblick, was passiert und was nicht. Ich habe mehr Kontrolle und kann mehr Einfluss auf die Belange von Calvarium nehmen. Wir waren mit einigen anderen Labels in Kontakt, allerdings nicht bezüglich Platten-Verträgen, hier ging es eher darum, dass ich gern mal unser Material auf Vinyl pressen lassen wollte. Vinyl rules!“

Am besten gar keine Erwartungen

Was The Skull Of Golgotha betrifft, hatte die Band keine übersteigerten Erwartungen, denn auch wenn die Scheibe für die einschlägige Szene eine dicker Tritt in den Popo war – da hätte halt auch die Maschinerie samt Presse mitspielen müssen – denn was niemand kennt, kann er sich auch nicht anhören. „Wir haben keine großen Erwartungen in Bezug auf Monsterverkäufe und Erfolg. Um ehrlich zu sein, das alles will ich gar nicht. Die Musik, die Propaganda liegt in höheren Händen und ist auch für die Leute bestimmt, die die Botschaft verstehen wollen. Es ist keine Musik für die Masse. Klar ist es toll, wenn jemand die Platte kauft und sich auch mit den Inhalten beschäftigt.“

Bisher war die Band live noch nicht zu sehen und Veilroth meinte ganz lapidar: „Vielleicht werden wir das auch nie. Wir sind keine Band, die lustige Touren macht und Bier mit den Fans trinkt. Die düstere Ausstrahlung von Calvarium ist in manchen Passagen vielleicht auch wenig zu schwer, um sie live entsprechend wirken lassen zu können und sie passend für betrunkene Gestalten vor der Bühne zu präsentieren. Natürlich haben wir eine Menge Respekt vor denjenigen, die wirklich wegen der Musik, der Kunst und der Atmosphäre ein Konzert besuchen und nicht in erster Linie wegen Party und Spaß-Haben dorthin latschen.“

Mehr als laute Unterhaltung

Dass Musik manchmal mehr bedeuten sollte, als nur laues Entertainment, bei dessen Genuss man sich die Birne wegbrennen kann, ist wohl wahr. Nehmen wir nur mal ein Beispiel aus einem anderen stilistischen Bereich: Dream Theater. Wer würde da hingehen, um mit einem Ohr die Mucke zu hören und sich ansonsten vollaufen zu lassen. Wohl keiner, dem es wirklich um den künstlerischen Inhalt und den Anspruch der Musik geht.

„Through The Scars Of Selmutilation“

Party-Metaller sind also bei anderen Combos besser aufgehoben. Und hier ein kurzer Einblick in die Texte von Calvarium´s The Skull Of Golgotha:

„Horns Of Fate“: Dreht sich um meinen Bezug zu Hass, der für mich wie eine Art religiöse Erfahrung ist. Hass kann einen von Aggressionen zum puren Wahnsinn treiben. Nicht man selbst kontrolliert den Hass, sondern umgekehrt.

„Jumalviha“: Hier geht es darum, wenn man sich auf die dunkle Seite in einem selbst einlässt und auch nicht zurückblickt.

„Death Worship“: Ich glaube, dass viele Leute, die sich mit Black Metal beschäftigen, sich auch schon Gedanken über Selbstmord und Selbstzerstörung gemacht haben bzw damit zu tun hatten. Diesen Song habe ich in einer Zeit geschrieben, als es mir selbst einmal so ging.

„Siunatun Surma“: Die Lyrics dieses Songs sind ein gutes Beispiel für richtigen Hass. Es dreht sich um einen Mord, der extrem brutal geschieht.

„Dedication In Misanthropy“: Zu diesem Stück wurde ich durch eine Dokumentation über Konzentrationslager, Hitler und seine Grausamkeiten sowie die seiner Mitstreiter inspiriert. Das ist wohl das heftigste Beispiel, wie grausam man vorgehen kann.

Hm, keine leichte Kost. Doch muss man sich im Leben auch mal mit den nicht so angenehmen Dingen beschäftigen, um die wirklich schönen überhaupt erkennen zu können. Und es sollte jeder reif genug sein, sich über diverse Themen seine eigenen Gedanken zu machen.

Alben:

Rehearsal I
Rehearsal II
The Skull of Golgotha
Assaulting the Divine (EP)

Lord Sargofagian: Drums (2001-?), Vocals (2001)
Veilroth: Guitars, Bass (2001-?), Vocals (2001)
Molestor Kadotus: Vocals (2001-?)

Tags: , , , ,


About the Author



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑
  • Aktuelle Artikel

  • PARADOX Musikmagazin

  • Newsletter

    Trage ich hier in unsere Newsletter ein und bekomme von uns immer alle Szene-News aus erster Hand!

  • Monatsübersicht