Interviews

Veröffentlicht am 28.03.2016 von nemesis

0

Backslash über ihr zweites Werk

Abfärbender Respekt

Mit ihrem ´98er Debut spielten sich die Bamberger in die Herzen vieler Metal-Fans und auch der einschlägigen Presse. Vergleiche mit Warlock waren an der Tagesordnung, und manchmal musste man sich schon wundern, dass eben jene Sängerin Heike Grebita nicht endlos auf die Nerven gingen. Auch mit dem Zweitling lieferte die Band wieder gut gemachte Metal-Mucke ab, und so dürfte es auch kaum jemanden gegeben haben, der rum meckerte.

„Es ist lediglich so, dass die Meinungen auseinander gingen, welche Scheibe denn nun besser sei, die erste oder die zweitee. Mir persönlich war das ehrlich gesagt vollkommen wurscht. Als Musiker findet man wohl die neueren Songs immer geiler, da man sich an älteren Material einfach irgendwann abgehört hat. Unser Ziel war es definitiv nicht, unser Debut noch einmal neu aufzunehmen. Sicher sind Parallelen zwischen den beiden Platten da, aber wir haben nicht unsere eigenen Songs kopiert. Der Zweitling wirkt auf runder und kompakter. Dadurch, dass wir eben selbst in die Arbeit an der ersten Platte involviert waren – logischerweise – finde ich, dass das Debut im Vergleich dazu unausgereifter wirkt. Jedenfalls haben wir uns stilistisch nicht verändert.“

Wenn andere was ganz anderes sehen und notwendige Übel

Nur dürften sich diesmal endlich auch die vergleichenden Kommentare abgelutscht haben. „Wir selbst sind nie auf die Idee gekommen, uns mit Doro und Warlock zu vergleichen. Ich selbst hatte Material von Warlock zu Beginn von Backslash gar nicht gekannt. Diese Plakette wurde uns von außen aufgedrückt. War aber auch irgendwo logisch: Eine deutsche Heavy Metal-Band mit Sängerin, die noch dazu blond ist. Ich habe diese Vergleiche als notwendiges Übel genommen, damit die Leute, die uns eben nicht kannten, in etwa wussten, in welche musikalische Richtung unser Sound tendieret.

Neben diesen Vergleichen sollte man aber auch die eigenen Nuancen einer Band mit in Betracht ziehen. Warlock waren jedenfalls nicht unser auserkorenes Verfolgungsziel“, lachte die Fränkin. Nur: Selbst Metal spielen und Warlock nicht kennen?? „Ich bin wirklich an Metal interessiert, war allerdings damals, also zur Zeit unserer ersten Platten, auf einem recht krassen Trip unterwegs. Children Of Bodom fand ich zu der Zeit total klasse. Ich finde, wenn man selbst diese Musik spielt, sollte es eigentlich normal sein, sich auch für die Szene im allgemeinen und die Mucke anderer Combos zu interessieren.

Ich habe aber langsam den Überblick verloren, meine Männer in der Band waren da allerdings sehr aktiv und schleppten ständig neues Zeugs an. Manchmal fragte ich dann ganz dumm, ob dieses oder jenes eine neue Platte sei und dann hieß es wieder: ‘Heike, das ist schon uralt.’ Hm! Mir ist es egal, ob etwas neu oder alt ist. Gut muss es sein.“

Wenn es mehr als nur CDs braucht

Und so wie jeder anständige Metal-Fan hatte die quirlige Sängerin auch ihre ‘Phasen’. „Manche Bands liefen bei mir ein halbes Jahr rauf und runter. Andere wiederum bleiben verdammt lange hängen. Helloween hatte ich sehr lang und intensiv gehört. Gut gefallen hatten mir auch immer White Lion.“ Wobei CDs oft nicht alleine ausreichen, um aus Heike einen Fan einer Band zu machen. „Ich spaziere auf sehr viele Konzerte und lerne dort neue Bands kennen, deren Fan ich dann auch manchmal werde.“

Wie Heike erzählte, haben ‘ihre’ Männer nicht nur den Vorteil, neue Platten anzuschleppen und selbst ihrer Instrumente Herr zu werden. „Die Jungs standen immer voll hinter mir, sie gingen einfach respektvoll mit mir um. Das färbt natürlich auch auf andere Personen ab. Das ist sicher auch ein Grund, weshalb ich als Mädel in der Metal-Szene bisher nur tolle Erfahrungen gemacht hatte. Es ist auch irgendwo logisch: Wenn ich sehe, dass jemand von anderen wie ein Depperle behandelt wird, würde ich auch dazu neigen, mich dem anzuschließen. Ich würde es nicht tun, aber wenn man nicht nachdenkt, gerät man in dieses Fahrwasser. Mir gefällt es, das Nesthäckchen zu sein.“

Erstmal Gigs ergattern

Und den Fans dürfte es wohl gefallen haben, die Franken auf der Bühne zu sehen. „Wir wollten unbedingt spielen, zur Zeit dieser Platte stand aber noch nichts konkretes an. Hier bei uns in der Gegend war und ist es auch sehr schwer, Gigs an Land zu ziehen. Sämtliche Metal-Schuppen, die wir hatten, sind in den letzten Jahren zu Techno-Käse verkommen. Sicher hat sich die Club-Situation im Süden Deutschlands allgemein verbessert, dennoch lässt es noch zu wünschen übrig. Bei uns gibt es viele Möglichkeiten, als Cover-Band aufzutreten. Aber welche Songs sollen denn die Bands in zwanzig Jahren spielen, wenn keiner mehr ‚Smoke On The Water‘ hören kann, aber niemand Combos mit eigenem Material die Chance gibt, aufzutreten und bekannt zu werden?

Im Osten war es eine Zeit lang besser, allerdings setzt sich dort auch immer mehr der Geldwahn durch. Die Club-Besitzer sind nicht mehr so offen, die wollen nur noch Kohle sehen. Man kann nur hoffen, dass das irgendwann besser wird.“ Ist es bis heute nicht, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Hätte Heike selbst einen Club, würde die Sache schon ganz anders aussehen: „Ich hätte da meinen Idealismus. Ich würd` alle Bands spielen lassen, die mir gefallen. Und wenn etwas nicht so mein Fall wäre, würde ich mehrere an einem Tag auftreten lassen.“

Discographie:

Intention (CD – 1999)
Insanity (CD – 2000)
Princess of Disharmony (CD – 2003)
Trip of Pain (CD – 2007)


Tags: , , ,


About the Author



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑
  • Aktuelle Artikel

  • PARADOX Musikmagazin

  • Newsletter

    Trage ich hier in unsere Newsletter ein und bekomme von uns immer alle Szene-News aus erster Hand!

  • Monatsübersicht