Interviews

Veröffentlicht am 31.07.2015 von nemesis

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Helloween

Helloween – Die dummen Deutschen

Best-ofs sind nicht immer die Lieblingskinder einer Band und so ist auch die aktuelle Veröffentlichung der Kürbisköpfe wohl mehr eine Business-Sache seitens der Industrie denn wahre künstlerische Entfaltung. Gitarrist Michael Weikath schießt zu Beginn des Interviews allerdings erst mal galant den berühmten Geier ab und begrüßt mich auf englisch. 

Wobei hier der absolute, ungekrönte Weltmeister Michael Schenker ist: Der Gute weigert sich einfach rigoros, mit deutschsprachigen Journis auch in seiner eigenen Muttersprache, also deutsch halt, zu labern. Solange man sonst keine Probleme hat, kann die Welt gern weiter eine Scheibe sein. „Bei all den Interviews komme ich echt schon mit den Sprachen durcheinander“, lacht Weiki ins Telefon. Und eigentlich ganz logisch, die Leute fahren auf das Doppel-Scheibchen ‚Treasure Chest‘ ab. In diesem Fall also keine Spur von Best-of-Müdigkeit. Ein Kommentar des Klampfers zu den Interviews ist allerdings wirklich abdruck-würdig: „Ich mag seltsame Fragen, die sind meistens recht interessant.“ Gut, dann könnte man also fragen, warum sich Michael als Künstlernachnamen nicht Myers zugelegt hat und eine Klampfe in Form eines Küchenmessers schwingt. Wer kapiert hat, auf was ich anspiele, kriegt ein Bonbon. Und alle anderen kriegen als Tip noch John Carpenter und Jamie Lee Curtis.

Die Größenordnung einer Band wird oftmals überschätzt und an anderen Äras gemessen

Diese Frage spar ich mir aber, auch wenn „es mir kackegal ist, worüber ich rede. Schießlich kennt uns auch nicht jede Hausfrau oder jeder Hausmann.“ Über Pfannkuchen mag ich aber nicht reden – und die Helloween´sche History für alle Nichtwissenden aufzurollen… nee, dieses Heft ist schließlich nicht die Bravo. Helloween zählen nach wie vor zu den Großen in der Szene, doch wird das wohl auch ab und an überschätzt: „Würden uns so viele Leute kennen, dann wären wir auch mehr in England und Co. vertreten und würden größere Konzerte spielen.“ Naja, Meatl ist doch wieder stark im Kommen – auf jeden Fall schwören sogar richtige Heavy-Nasen desöfteren auf Nu Metal – kurze Frage am Rande: Welche Musikrichtung kann was taugen, wenn sie mit falscher Schreibweise in den Krieg zieht. Lang lebe die Weiterentwicklung.

Börks. „Ich bin eigentlich ein richtiger Altrocker, zu Metal bin ich erst später gekommen.

Led Zeppelin waren Metal – und ich verstehe unter dieser Musik etwas, daß einen in seinen Bann zieht und zu dem man abbangen kann. Manche Rockbands sind mehr Metal als einige selbsternannte Metal-Bands. Ich bin ein Rockfan, der Heavy Metal ist mit einer Menge Vorurteilen belastet. Manche Fans sind sicher doof und benehmen sich auch so. Doch das gibt es überall.

„Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber im Moment kommt bei den ganzen neuen politischen Ideen nur Grütze raus“

Ich persönlich finde es schade, wenn sich ein Hörer nur auf Metal limitiert, Rap und HipHop kann ich aber auch nicht leiden. Irgendwie ist alles und jeder AOL-isiert, Ausdrücke werden ausgetauscht. Was bitteschön haben manche Rockbands von heute mit Rock zu tun?! Heutzutage würde wohl keine Label Deep Purple unter dem Banner Rock veröffentlichen.“ Es gab Zeiten, da hieß es, es würde ver-westlich, dann amerikanisiert… AOL-isiert paßt hier also wunderbar ins Schema. „Diese ganze EU-Idee ist auch so ein Thema für sich. Wofür gibt es eigentlich Demokratie? Zur Zeit kommen da nur dumme Ideen dabei heraus. Mit diesen Einfällen sollen die Guten doch bitte in die USA gehen und die Deutschen damit in Ruhe lassen. Wir hatten schon einen Hitler, doch wenn es so weitergeht, holen wir uns irgendwann den nächsten ran. Mir ist dieses Land ehrlich zu dämlich geworden, darum bin ich nun auch nach Teneriffa. Es gibt einfach keine Grenzen mehr gegen dummsinnige Gesetze. Was soll dieser Mist von wegen im Auto darf man nicht mehr rauchen. Was sollen solche Ideen?“ Für jemanden, der sogar während des Konzertes bei rumklampfen mit Kippe auf der Bühne steht, wär das schon ein bitterer Schlag. Und da gibt es noch einige mehr. „Nur bei den Deutschen gibt es auch diese Vorurteile, was den Metal betrifft. Obwohl man auf Bands aus dem eigenen Land richtig stolz sein könnte, wenn sie etwas erreichen, in anderen Ländern übers TV gejagt werden. Aber wir Deutschen sind ja nun wieder wer, wir pfuschen im Kosovo rum, haben unsere Finger halbscharig bei der Afghanistan-Geschichte drin. Jetzt muß der Rest der Bevölkerung nur noch dümmer gemacht werden.“ Betrachtet man das alles mal richtig, kann man den sarkastischen Ton Weikis durchaus verstehen. Stimmt ja auch.

Und wieder eine Bestätigung mehr, dass die Deutschen nicht gerade die beliebtesten sind

„Hier auf Teneriffa ist es wirklich so, dass die Leute das Gesicht verziehen, wenn sie einen Deutschen sehen. Ging mir auch so – bis gesagt wurde, daß ich okay bin, haha.“ Was das Lebensziel ‚Volksverblödung’ betrifft, wurde mit den privaten Fernsehsender ja auch großer Schritt gemacht. „Die Teenies von heute verdummen mit all diesen Talkshows und den umwerfenden Themen immer mehr.“ Ganz klasse, wenn die anwesenden Gäste dieser Shows selbst keinen Satz gerade rausbringe, sich trotz gleicher Muttersprache mit Händen, Füßen und – ganz dominierend – mit ‚äh’, ‚ey mann’, ‚scheiße mann’ und ähnlich gewaltiger Rhetorik verständigen. „Bei den Öffentlich-Rechtlichen ist dieses und jenes nicht erlaubt.“ In diesem Zuge könnte man aber auch endlich mal die musikalischen Ergüsse dieser Sender verbieten. Jo gell, dee Musi is scho supa, humbdada, Aber zurück zum Thema: „Die CSU war damals mit der Einführung der privaten Sendeanstalten federführend. Doch es fehlen einfach Einschränkungen. Es wird dort derart viel Schmarrn gezeigt. Ich habe zwei Millionen Fans auf diesem Erdball und genau denen sage ich auch, was ich denke. Ein Typ im Parlament kann nicht so viele Menschen erreichen – der hat nicht so viele Fans, die ihm zuhören.“ Und auch noch in den meisten Fällen selbst denken.

photcrit: By own work (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

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