Interviews

Veröffentlicht am 21.03.2016 von nemesis

0

Interview Edguy – die ersten Jahre

Plateau-Schuhe gegens Umfallen

Fein war sie ja wirklich, die Edguy-Platte Theater Of Salvation…und irgendwie war es beängstigend, wenn man nur diese Platte und den Vorgänger Vain Glory Opera betrachtete, und feststellen muss, dass es anscheinend wirklich Band gibt, die zu blöd sind, Scheiß-Musik zumachen… trotzdem: ein Hoch auf das Blödeln! Das konnte Tobias Sammet, Kopf, Sänger der Band und ebenso Mastermind von Avantasia fast noch besser als Musikmachen. Avantasia stehen ja für den kommenden Januar mit einer neuen Live-Platte in den Startlöchern und verspricht wieder eine Granatenmischung an Mitstreitern.

Der verschollene, erste CD, die zum Highlight werden sollte

Red: Bis zu Theatre Of Salvation waren ja nur drei CDs von euch in die Finger zu bekommen unter die Fuchtel gekommen…
Toby: Und dabei waren es da eigentlich schon vier. Also die erste war so `ne Art Demo-CD. Das waren neun Lieder, die später auch auf keiner anderen Scheibe mehr verwendet wurden. Es war nur eigenes Material. Damals wurde eine 1000er Auflage gepresst und die ist jetzt weg, sollte aber irgendwann wieder aufgelegt werden. Also vier Scheiben und veröffentlicht wurden bis dahin allerdings nur drei.

Red: Von wann ist die erste Scheibe?
Toby: 1995 wurde die gemacht und veröffentlicht – sofern man das „veröffentlichen“ nennen kann. Am Anfang lief das recht spärlich und mittendrin war alles weg. Ich habe selber irgendwie nur noch eine.

Red:Und zu Theatre Of Salvation-Zeiten wart ihr sicher auch noch nicht mit derart vielen Besetzungswechseln geplagt, wie so manche Musikerkollegen, oder?
Toby: Doch, doch, die hatten wir schon… die Gitarristen und ich waren an sich die Konstante. Unser Drummer war kurz vor der Vain Glory Opera-Produktion ausgestiegen und dann hatten wir `nen Gastschlagzeuger. Kurz später hatten wir Felix kennengelernt und ihn in die Band geholt. Und weil ich keinen Bock mehr hatte Bass zu spielen, hab` ich den in die Ecke gestellt und so kam eben auch ein Bassist in die Band

Live nicht an allen Ecken und Enden

Red: Du bist und warst von jeher ja eh der Multi-Instrumentalist in der Band…..Bass, Keyboard, Gesang…
Toby: Live ging das eh nicht… man hat einfach nicht so viele Hände (ach was!). Live sind Keyboards eh nur ein Störfaktor. Bei Konzerten behindert es eben – es bindet einen an. Außerdem passte mir das nie mit der Keyboard-Abmischung.

Okay, bei Gamma Ray sind auch Keys dabei, aber trotzdem fand ich, es hätte einen ungleich höheren Aufwand für uns bedeutet. Live vermisse ich das Teil gar nicht, da muss es krachen.
Red: Was hältst du von der Möglichkeit, auf Bänder und Technik für´s Keyboard zurückzugreifen?

Wenn damals schon einer mal an Avantasia gedacht hätte

Toby: Das geht schon, aber ich persönlich finde es irgendwie schöner, wenn das Zeug auch live gespielt wird und nichts vom Band kommt. Es sieht auch doof aus, wenn zum Beispiel einer singt und neunzig Stimmen zu hören sind. Wenn wir irgendwann mal ein 47-ig köpfiges Orchester auf der Platte haben, dann müssen wir uns schon was überlegen (Späßle g`macht, he? ev). Aber ich denke nicht, dass es mal so weit kommt. Da soll lieber mal einer schief
singen, als das was vom Band kommt. Ist einfach spannender.

Red: Mal zum Songwriting. Die Songs stammten ja schon von Anfang nahezu alle komplett aus Deiner Feder. Haben die anderen keine Ideen, oder keinen Bock oder was?
Toby: Das ist `ne gute Frage. Ich weiß nicht. Ich mach` das schon immer, schon seit Anfang an. Da war ich 14. Der eine hat Fußball gespielt, der andere war bei der freiwilligen Feuerwehr,… die hat das einfach nicht interessiert. Dann hab` ich das eben gemacht. Daher habe ich mich auch am meisten verwirklicht. Klar kann sich jeder einbringen, aber den
Löwenanteil an der Arbeit habe ich. Und solange die anderen mit meiner Arbeit zufrieden sind, ist das okay.

Das Grauen der Musiklehrer

Die haben ihre Ruhe und ich meinen Spaß und kann mich verwirklichen, hähä!
Red: So einfach ist das mit dem Songwriting ja auch nicht, aber du scheinst Songs aus dem Ärmel zu schütteln, als sei das nichts. Wie stand es da von Anfang an um den musikalischen Background?
Toby: Ich hab` als Zwerg Orgel gespielt. So ganz fürchterlich. Ich habe von den Lehrbüchern, von denen man normalerweise eines in `nem Jahr halben schafft, zwei in vier Jahren geschafft. Der Lehrer meinte zu meinen Eltern „das hat keinen Zweck mit dem Tobias, der lernt das eh nie“ und dann wurde das gelassen. Wir haben dann die Band gegründet, und nachdem ich nix anderes konnte, hab` ich mir ein Keyboard geschnappt und gespielt. Irgendwann meinten die anderen „wir brauchen `nen Sänger und das machst Du jetzt mal“.

Naja, dann hab` ich eben gesungen (wie Toby mich aufgeklärt hat, hatte er die teuersten Gesangsleher der Welt. Michael Kiske und Bruce Dickinson, sowie Geoff Tate). Ich war der jüngste und hab` mich da nicht groß dagegen gewehrt. Und irgendwann meinten die dann „wir haben immer noch keinen Bassisten. Kauf` dir `nen Bass“. Dann hab` ich das eben auch gemacht. Und hab` mir eben einen Bass gekauft. Ich habe kein Instrument richtig gelernt. Als es dann ans Touren ging, habe ich ein wenig Gesangsunterricht genommen, um das Touren durchzuhalten. Um eben die Kondition zu kriegen. Aber so richtig hab` ich das nicht durchgezogen. Ich denke mal, die Stimme sucht sich schon ihren Weg. Da kommt vieles von alleine. Man holt sich alles selber.

Red: Die Tour mit Gamma Ray zu Euren ersten Jahren hat euch da sicher auch nicht geschadet, zumal es ja auch ein absolut passendes Package war.

Toby: Klar, wir haben und hatten auch früher schon dasselbe Zielpublikum. Das war schon sehr gut mit Iron Saviour und Hammerfall, das passte genauso. Ich denke schon, dass das gut war. Da kann einem eigentlich nix Besseres passieren. Obwohl… Helloween oder Maiden mit Dickinson, ….da wäre ich damals schon gerne mal mitfahren. Oder als Kiss-Support. Aber
da ist es eben schwer, die Leute zu kriegen.

Falsche Prophezeiungen

Red: Das damals leidige Maiden-Thema…
Tobys Vorrauschau seinerzeit: Dickinson wird das nicht lange machen, vermute ich (und sprach dabei die Re-Union der Band an). Die machen jetzt vielleicht noch ein Album, und dann war´s das mit Maiden. Das ist zumindest meine Vermutung. Harris hat vor acht Jahren mal gesagt, er möchte nicht auf der Bühne sterben. Er hat seine eigene Plattenfirma. Bruce wird seine Solo-Band auch nicht auflösen…..der Vertrag läuft ja nur über eine Platte, und ich denke nicht, dass danach noch was kommt. Das wird wahrscheinlich so `ne große Abschiedstour wie bei Kiss und dann Ende im Gelände. Außerdem muss es auch mal Platz für den Nachwuchs geben.

Frech wie Oskar

Beim Fußball ist es doch auch so. Lothar Matthäus ist auch bald fällig, und dafür bekommen die Nachwuchsspieler eine Chance. Wenn ich mir die Musikszene so anschaue, also nee.Ozzy zum Beispiel: der wird irgendwann noch mit`m Rollstuhl auf die Bühne gefahren. Das ist eine undankbare Sache. Die hören einfach nicht auf. Aber irgendwann werden die alten Leute auch aufhören. Ich meine, die sind ja nicht schlecht. Ich mag Ozzy Osbourne und ich bin Kiss-Fan. Die haben ja ihre Daseinsberechtigung. die bringen ja auch noch zum Großteil was.

Man sollte für die alten Leute so Sanatorien bauen, wo sie dann hingefahren werden und für sich gegenseitig Musik machen. Da sitzen die dann so im Stuhlkreis und in der Mitte gibt einer ein Lied zum Besten…..

Red: Sarkastisch bist du gar nicht, oder?
Toby: Ich? Nee! Ich hab` mir das gerade so überlegt, da könnte man dann auch Ace Frehley und Peter Chris hinschicken. Ich habe Kiss vor kurzem gesehen und Ace gehört definitiv ins Altersheim. Wahrscheinlich sind die Schuhe deshalb so hoch, weil sie mit Gewichten gefüllt sind, dass der gar nicht umfallen kann. Er ist Kult, aber…ach was soll´s. Auf jeden Fall sind die Gewichte verdammt raffiniert eingebaut, wie bei so `nem Stehaufmännchen….

Red: Wenn wir schon bei der Wirkung einer Band auf Publikum sind: Auf Theatre Of Salvation ist eine Live-Version von „Walk On Fighting“ zu hören… warum sind das nicht mehr Live-Songs?
Toby: Ja also, irgendwie war die CD voll. So irgendwann.

Wir man also sieht, war dieses Interview eine extrem spaßige Sache… und zeigt, dass auch die ernste Musikszene und die bösen Metaller doch ganz gewaltig einen an der Waffel haben können in Sachen Humor und skurrilen Ideen.

photocredit: By Legend (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Tags: ,


About the Author



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑
  • Aktuelle Artikel

  • PARADOX Musikmagazin

  • Newsletter

    Trage ich hier in unsere Newsletter ein und bekomme von uns immer alle Szene-News aus erster Hand!

  • Monatsübersicht