Interviews

Veröffentlicht am 08.09.2016 von nemesis

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Interview Halford

Intellektueller Anti-Terror Aktivist

Es gibt Phasen im Leben, da weiß man einfach nicht, was man genau will und steht vor schwerwiegenden Entscheidungen: soll ich auf meinem Lebensweg die Gabelung nach links oder nach rechts nehmen – oder doch einfach geradeaus laufen? Rob Halford, wohl DER Metal-Sänger schglechthin hate seine Entscheidung getroffen und die – wie sich später herausstellte – Pause bei Judas Priest für ein neues Baby unter dem Namen Halford genutzt. Der Erstling des Ausnahmeshouters schlug schon ein wie eine Bombe und mit Live Insurrection zog der Metal Gott zum einen eine Zwischenbilanz, und blickte zum anderen erwartungsfroh in die Zukunft. Zeit auf diesen Neustart zurück zu blicken.

Halford „Till The Day I Die“

Einmal Metal – und dann doch wieder Metal

„Resurrection, das erste Album, war für mich das aufregendste Metal-Album, das ich seit Jahren gemacht habe“, ließ der Shouter mit der unvergleichlichen Stimme die Reaktionen auf sein mehr als gelungenes Comeback Revue passieren. „Meine experimentelle Phase war für mich persönlich sehr wichtig, weil sie mir geholfen hat, meine Liebe zum Metal neu zu definieren, denn diese paar Jahre haben mir aufgezeigt, welche Möglichkeiten ich als Sänger, Songwriter und Performer habe; ich bin aus dieser Zeit aber gestärkt hervorgegangen und habe mein Selbstverständnis als Musiker und kreatives Individuum neu definiert. Ich habe dabei herausgefunden, dass ich im Metal Bereich die besten Songs zustande bringe, und bin daher dorthin zurückgekehrt und werde dort auch weitermachen.“

Trotzdem erschien es schon sehr ungewöhnlich, unmittelbar nach dem ersten Studioalbum mit einem Live Album aufzuwarten, was Rob mit einem schmunzelnden „Das ist in der Tat ziemlich bizarr“ quittierte. „Viele Leute hielten das auch für total verrückt, aber ich war glücklich damit, denn Live Insurrection ist eine einzigartige Live CD, die sehr viele verschiedene Elemente enthält: es sind coole Momente von Fight und von Priest enthalten, darüber hinaus gibt es noch drei Bonus Tracks.

Vergessenes Material und andere Schätze

„Screaming In The Dark“, lieferte einen guten Fingerzeig, in welche Richtung sich unser neues Material bewegen sollte. Es ist ein sehr ungewöhnliches Stück, das die beiden Pole Tradition und Moderne vereint. Ich wollte jeden wissen lassen, dass noch genug Feuer vorhanden ist und wir in punkto Intensität auch noch zulegen können. Als Überraschung gab es zwei bislang unveröffentlichte Priest Songs, nämlich zum einen „Prisoner Of Your Eyes“ sowie „Heart Of A Lion“, ein großartiger Song, der ursprünglich bei den Turbo Sessions entstanden ist und der Zeit standgehalten hat.

Racer X haben davon wirklich eine unglaubliche Version abgeliefert, ich wollte die Gelegenheit nutzen und ihn mit Halford Vocals versehen. Das alles sollte meiner Meinung nach Ansporn sein, dass Leute die Live CD kaufen, außerdem gibt es sicher viele, die uns live gesehen haben, und nun einen Mitschnitt dieser Tour haben wollen. Darüber hinaus war Live Insurrection ein Appetithappen für diejenigen, die abseits stehen und sich lieber ein Footballspiel angesehen haben, statt zu unseren Shows zu kommen, und noch nicht so sicher waren.“

Judas Priest: „Electric Eye“

Ehrliche Aufnahmen

Die Abend für Abend mitlaufenden Aufzeichnungsmaschinen führten nicht zu einer zurückhaltenden Performance, denn sie gerieten laut Rob schnell in Vergessenheit und man ließ wie gewohnt die Sau raus auf der Bühne. „Diese Aufnahmen sind einfach absolut ehrlich, man hört die Band tatsächlich so, wie sie sich auf der Bühne präsentiert. Es gab auf diesem Live-Album schon einige Overdubs, so wie es auch auf anderen Live-Platten der Fall ist, aber die sind wirklich sehr gering gehalten und sollen eigentlich nur die ganz offenkundigen Fehler kaschieren, die jedem Menschen nun einmal unterlaufen. Ich bin mir dabei selbst oft nicht ganz sicher, ob man einen Fehler korrigieren sollte oder nicht, denn manches klingt doch ganz brauchbar, aber wenn man sich den Fehler dann mehrfach anhört, nervt es doch ziemlich, besonders wenn die Leute dafür gutes Geld ausgeben sollen. Also haben wir uns dabei auf die absolut nötigsten Ausbesserungen beschränkt.“

Befragt nach der Verantwortung gegenüber den Kids, die seine Musik hören und ob er meine, eine erzieherische oder politische Verpflichtung zu haben, meint der Hohepriester des Metals: „Nein, eigentlich nicht. Ich singe über viele verschiedene Dinge und es hängt davon ab, wie intellektuell man werden will. Wenn man in die Tiefe gehen und hintergründig werden möchte, kann man aus meinen Texten auch einiges zwischen den Zeilen lesen. Man kann sich aber genauso gut betrinken und einfach eine gute Zeit haben. Das hängt von jedem einzelnen ab, meiner Meinung nach ist meine einzige Verpflichtung, die Leute nur ja nicht zu enttäuschen.“

Halford (feat. Bruce Dicksinon – Iron Maiden): „The One You Love To Hate“

Heavy Metal als Sündenbock für alles und jeden?

Trotzdem bewegt man sich als Musiker immer auf sehr dünnem Eis und läuft Gefahr, quasi als Sündenbock der Nation hingestellt zu werden und ständigen Fehinterpretationen ausgeliefert zu sein. Ebenso wie Priest vor etlichen Jahren wurden Slayer mal angeklagt, am Selbstmord eines Jungen schuld zu sein. Leider gibt es immer noch Eltern, die Heavy Metal für ihre eigenen Fehler verantwortlich machen, denn es ist ja wohl nicht die Musik, die jemanden zum Selbstmord verleitet, sondern eindeutig soziale Faktoren.

„Dem stimme ich vollkommen zu, und es pisst mich an, wenn jemand für eine solche Tragödie verantwortlich gemacht wird“, ereifert sich der britische Gentleman. „Wir wissen doch alle, dass es ausgemachter Blödsinn ist, so etwas zu behaupten. Die Musik bringt niemanden um, es sind Drogen, Trunkenheit am Steuer und ähnliche verrückte Dinge, die dafür verantwortlich sind. Musik ist schon immer konstruktiv gewesen und kann Leuten helfen, mit Problemen oder einem verkorksten Leben klarzukommen. Wer für jemanden verantwortlich ist, hängt vom Alter der betreffenden Person ab. Da sind Familie, Schule und die ganze Gesellschaft gefragt, Vorsorge zu leisten.

Judas Priest: „Live in Dortmund 1983“

Intellektueller Terrorismus

Du kannst sieben Tage die Woche 24 Stunden lang Heavy Metal hören und dennoch im Vollbesitz deiner geistigen Fähigkeiten bleiben. Aber andere Dinge wie Drogen, exzessives Leben und zu wenig Schlaf können dich um den Verstand bringen. Gegen solche Vorwürfe muss man sich einfach wehren, und ich war mir sicher, dass Slayer aus dieser Geschichte ohne Schrammen hervorgehen würden. Das Schlimme daran ist, dass die Leute nur nach dem Äußeren urteilen und nicht erkennen, dass wir eigentlich nur eine Horde Leute sind, die ein bisschen Spaß haben und Menschen unterhalten wollen.

Es wird immer jemanden geben, der solche Anklagen gegen uns oder andere Musiker erhebt, aber meiner Meinung nach steht es niemandem zu, einen Kommentar dazu abzugeben, solange er nicht weiß, was wir tun und was wirklich hinter der Musik steckt. Mein Songwriting beeinflusst das überhaupt nicht, ich schlage nur zurück, wenn man mich angreift, ansonsten tue ich das, was ich für richtig halte. Ich würde niemals zulassen, dass solche Extremisten mich in meiner Denkweise oder in meinem Songwriting beeinflussen, denn das wäre intellektueller Terrorismus.“

Unken, Spekulieren…

Um eine Frage kam Rob derzeit wahrscheinlich in keinem Interview herum, zu groß waren damals die Spekulationen über eine erneute Priesterweihe, sprich die Rückkehr des verlorenen Sohnes an seine alte Wirkungsstätte. „Das ist eine noch nicht abgeschlossene Geschichte, und ich weiß auch noch nicht, wie sie ausgehen wird“, übte sich Rob in Zurückhaltung. „Es ist jetzt über zehn Jahre her, dass ich Priest verlassen habe, und es scheint, je mehr Zeit vergeht, desto mehr wollen die Leute, dass ich zurückkehre. Das ist schon bizarr, denn man sollte meinen, dass sich im Laufe der Zeit immer mehr Leute damit abfinden. Die endgültige Entscheidung liegt aber in Ken’s, Glen’s und Ian’s Händen. Die Fans wollen mich zwar wieder in der Band sehen, aber so einfach ist die Sache nun mal nicht, deswegen muss man einfach abwarten.“

Halford – „Ressurrection“

Und unkte: „Sie spielen beim Gods Of Metal Festival auf dem gleichen Billing wie ich, und wenn sich dort herausstellen sollte, dass wir nach wie vor gute Freunde sein können, lässt das entsprechende Überlegungen zu.“ Eine sehr diplomatische Antwort, die viel Interpretationsfreiraum ließ. Und nun hat die Metal-Welt sie ja seit einigen Jahren wieder: United.

Line-up Judas Priest:

Gesang: Rob Halford
E-Gitarre, Background-Vocals: Glenn Tipton
E-Gitarre: Richie Faulkner
E-Bass: Ian Hill
Schlagzeug: Scott Travis

Line-up Halford:

Rob Halford – Vocals
Mike Chlasciak – Guitars
Patrick Lachman – Guitars
Ray Riendeau – Bass
Bobby Jarzombek – Drums

Discographie:

Judas Priest:

Rocka Rolla (1974)
Sad Wings Of Destiny (1976)
Sin After Sin (1977)
Stained Class (1978)
Killing Machine (1978)
Unleasehed In The East (1979)
British Steel (1980)
Point Of Entry (1981)
Screaming For Vengeance (1982)
Defenders Of The faith (1984)
Turbo (1986)
Priest….Live (1987)
Ram It Down (1988)
Painkiller (1990)
Jugulator (1997) (mit Tim “Ripper” Owens)
Demolition(2001) (mit Tim “Ripper” Owens)
Angel of Retribution (2005)
Nostradamus (2008)

Aktuelle Platte:

Redeemer of Souls

Fight:

War Of Words (1993)
Mutations (EP, 1994)
A Small Deadly Space (1995)

Two:

Voyeurs (1998)

Halford:

2000: Resurrection
2001: Live Insurrection
2002: Crucible
2003: Fourging the Furnace
2004: Live at Disney House of Blues
2007: Metal God Essentials Vol. 1 III
(Live-DVD mit Resurrection als Bonus CD)
2009: Halford III – Winter Songs
2010: Live in Anaheim
2010: The Mower
2010: Halford IV – Made of Metal
2011: Live at Saitama Super Arena

Aktuellstes Album:

2012: Live in London

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