Interviews

Veröffentlicht am 14.04.2016 von nemesis

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Interview Iced Earth

Die Faszination des Horrors

Diese CD sollten die eh schon hochkarätigen Vorgängerplatten Something Wicked This Way Comes und The Dark Saga sowohl musikalisch als wohl auch thematisch toppen. Und trotz der eigenen musikalischen Schiene, die Iced Earth fuhren, wurde auch dieses Mal wieder ein klarer Fortschritt deutlich.

„Dracula“

„Eigentlich klingt keine Iced Earth-Platte wie die andere. Es kommt immer darauf an, wie sich unser Bandkopf Jon (Schaffer, guit) fühlt. Horror Show geht wieder ein bisschen mehr in die Richtung älterer Iced Earth-Releases, allerdings als Beisatz zu den sich herauskristallisierenden Momenten. Allein die verschiedenen Charaktere, die mit den Songs eingefangen und dargestellt wurden, verlangen Variation bei den Songs. Man kann Damien aus das Omen nicht auf die gleiche Art interpretieren wie das Phantom der Oper oder Jack The Ripper“, begann der damalige Sänger Matt Barlow das Ge-spräch. Alle Songs der Platte drehen sich um ein und dasselbe Thema.

Eigentlich klingt keine Iced Earth Platte wie die andere

Die Angst der Menschen, denen man mit unglaublichen Horror-Geschichten versuchte, ein Gesicht, etwas Greifbares zu geben. „In vielen dieser Geschichten steckt eine Menge menschlicher Realität. Reale Furcht einerseits vor Dingen, die man nicht begreifen kann, doch oft wurden auch Gestalten, wie etwa Dracula – diese Geschichte gefällt mir auf der Scheibe übrigens am besten – auf real existierenden Menschen aufgebaut. Elizabeth Bathory war eine dieser historischen Figuren, die den Horror real herauf beschwörte.“ Kamelot haben der Jugend-Irren auf der aktuellen Platte Karma auch eine Trilogie gewidmet. Falls irgendwer nicht weiß, wohin mit den Namen Elizabeth Bathory.

Horrornachhilfe

Die Gute ließ einige Jahrhunderte zuvor an die 600 junger Leute abschlachten, um in deren Blut zu baden, wovon sie sich ewige Jugend und ähnlichen Quatsch versprach. Was aber Schauermärchenn wie gerade Dracula betrifft, kann man sich auch vorstellen, dass die Story so manchen Wunsch der Menschheit widerspiegelt, allerdings auch ein ungutes Gefühl angesichts der unbekannten Konse-quenzen mitschwingt. Ewiges Leben aber was kostet der Spaß? „Ich bin mir sicher, dass auch derar-tige Sehnsüchte bei der Entstehung dieser Geschichten immer eine große Rolle gespielt haben“, stimmte Matt zu. „Frankenstein ist ja auch so ein Fall. Das Streben des Menschen nach einer gewissen Allmacht und zudem das Wissen, dass es eigentlich so nur in die Hose gehen kann.“ Na, wenn das unsere heutigen Wissenschaftler auch nur so sehen würden.

„A Question Of Heaven“

Nach diversen Statistiken wird die Erde in etwa fünf bis zehn Jahren die Heimat für 12 Milliarden Menschen sein. Überbevölkerung pur. Da muss man natürlich noch versuchen, solche Eierköppe zu klonen. Ganz klar. Doch lassen wir die Politik beiseite, denn Horror-Geschichten und auch – Filme können unterschwellig aussagekräftiger sein als so mancher Politiker es in seinem ganzen Leben mit allen Reden zusammenbringt. „Die USA haben eine richtige Horror-Film-Kultur. Wir wollten hier teils weiter gehen, als es die Filme taten. Creature Of The Black Lagune ist ein gutes Beispiel dafür. Wir wollten das ganze in lyrischer Hinsicht von einem anderen Standpunkt aus betrachten. Ist die erzäh-lende Person eine andere, ändert sich die Geschichte automatisch. Auf eine gewisse Art mußten wir die Stories auch den musikalischen Stil der Band anpassen.

Die USA haben eine richtige Horror-Film-Kultur. Wir wollten hier teils weiter gehen, als es die Filme taten

Angst fasziniert

Iced Earth hatten schon von jeher auch derartige Erzählungen in der Musik verbraten und selbst geschrieben, so hat man auch in dieser Richtung natürlich einen eigenen Stil. Night Of The Stormrider ist hier auch ein gutes Beispiel. Man sollte zuhören können und die Angst, um die es sich dreht, auch erfassen können.“ Dass die Leute beim Hören der Platte schreiend davonlaufen, war nicht Sinn dieser Scheibe, und das dürfte auch nicht passieren. Ein wenig Atmosphäre abseits von Drachen mitzube-kommen, kann allerdings auch ganz nett sein. Und vor allem sind es doch gerade die Heavy-Fans, die sich bei aller Gemütlichkeit gern mal den einen oder anderen Horror-Film reinziehen.

„Ich glaube, die Leute sind von Angst auf eine gewisse Weise fasziniert. Eine bestimmte Angst ist auch lebenswichtig, wobei ich hier natürlich nicht von Paranoia als krankhafte Sache rede. Aber Angst kann einen richtiggehend beflügeln – und so in bestimmten Situationen Leben retten. Wer Angst fühlt, kann auch gleichzeitig die Kraft fühlen, die sie einem unter Umständen gibt. Und genau diese Kraft ist es, die man sowohl im Heavy Metal als auch in manchen Filmen finden kann.“

„Watching Over Me”

Wenn der Tiefgang fehlt

Passend zum immer wieder zum Kino-Schlager gereichenden Thema der Mumie haben Iced Earth auf Horror Show ebenfalls einen Song zum Thema der Auferstehung der Mumie. Zwar steht Im-Ho-Tep keine Fortsetzung wie im Movie-Fall dar, kann sich aber klasse hören lassen. „Den zweiten Teil hatte ich mir noch gar nicht angeguckt“, gab der Sänger zu. „Ich hatte mir mal Die Mumie im Kino reingezogen, war aber eher enttäuscht, da ich erwartet hatte, man hätte die Geschichte mit mehr Tiefgang und Gefühl für den Hauptcharakter umgesetzt, die Tragödie, die eigentlich hinter dieser Geschichte steht.“ Ist auch reichlich müllig, wenn ein Kerl sich nun mal in die falsche Frau verliebt und sie sich in ihn, um man in dafür lebendig begräbt und mit einem Fluch belegt. „Monster sind nicht immer Monster, es stecken immer menschliche Züge in ihnen. Frankensteins Monster ist wohl das beste Beispiel dafür.“

Monster sind nicht immer Monster, es stecken immer menschliche Züge in ihnen

An der Verbindung, die man mit solchen Stories, zwischen Realität und Fiktion knüpft, sieht man allerdings mal wieder, wie schnell Menschen dabei sind, wenn es darum geht, jemanden oder etwas zu verurteilen – natürlich ohne lange nachzudenken und zu hinterfragen oder die Umstände erfassen zu wollen. „Das ist leider eine Art menschliches Gesetz. Wir setzen mit dieser Platte sicher kein Statement, doch wenn es trotzdem so nebenbei gelingt, ein paar Leute offener zu machen, ist das doch eine feine Sache.“ Das Produkt der Umwelt. Man kann sich bestimmt nicht immer damit herausreden, aber unbeeinflusst ist keiner.

Aktuelles Line-up:

Leadgesang: Stu Block
Rhythmusgitarre, Hintergrundgesang, Leadgesang, Studio-Keyboard: Jon Schaffer
Leadgitarre, Hintergrundgesang: Troy Seele
Bass, Hintergrundgesang: Luke Appleton
Schlagzeug: Brent Smedley

Gründerzeiten:

Gesang: Gene Adams
Rhythmusgitarre, Hintergrundgesang: Jon Schaffer
Gitarre: Bill Owens
Bass: Richard Bateman
Schlagzeug: Greg Seymour

Weitere ehemalige Mitglieder (Auszug):

Gesang: John Greely
Leadgesang: Matthew Barlow
Gesang: Tim „Ripper“ Owens
Gitarre: Larry Sapp
Gitarre: Randy Shawver
Gitarre: Larry Tarnowski
Gitarre: Ralph Santolla
Bass: Keith Menser
Bass: James McDonough
Schlagzeug: Mike McGill
Schlagzeug: Rick Secchiary
Schlagzeug: Bobby Jarzombek

„Alive In Athens“ (Full Show)

Alben:

  • Iced Earth
  • Night of the Stormrider
  • Burnt Offerings
  • The Dark Saga
  • Something Wicked This Way Comes
  • Alive in Athens
  • Horror Show
  • Tribute to the Gods
  • The Glorious Burden
  • Framing Armageddon (Something Wicked Part 1)
  • The Crucible of Man (Something Wicked Part 2)
  • Dystopia
  • Live in Ancient Kourion
  • Plagues of Babylon

photocredit: By SilverBullitt (Own work) [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

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