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Veröffentlicht am 13.03.2016 von nemesis

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Interview Kamelot

Kamelot zu Karma – Auf der Suche nach dem eigenen Ich

Es gibt Leute, die fanden Kamelot schon immer fein. Aber nochmal vielmehr sind wohl anhand der vierten Scheibe, The Fouth Legacy, aus dem Dornröschenschlaf aufgewacht. Mit Karma scheint der Siegeszug der norwegisch-amerikanischen Freundschaft weiterzugehen, die Hörerschaft lobt den Silberling über den Schell´n König und Sänger Roy Khan redet sich auch noch den letzten Tropfen Spucke raus. „Die Erwartungen nach The Fourth Legacy waren zweifelsohne sehr hoch gesteckt. Alleine an der Produktion sind wir vier Monate gesessen, um auch den kleinsten Details den richtigen Schliff zu verpassen“, beginnt der Vokal-Akrobat.

Ganz stolz mit neuen Einflüssen

„Teilweise haben wir richtiggehend gegen die Zeit gearbeitet. Den End-Mix selbst bekam ich erst eine Woche vor diesem Interview zu hören. Daher kann ich im Moment bezüglich der Scheibe auch nur schwer objektiv sein.“ Stolz schwingt bei seinen Erzählungen dennoch zu Recht mit, besonders der Titelsong selbst, der auch sehr gelungen neue Einflüsse miteinbringt, lässt das sänger´sche Brustbein anschwellen. „Unter diesen Umständen freut es mich natürlich, dass so viele Leute den Song auch zu mögen scheinen und uns kleine modernere Ansätze nicht negativ auslegen. Diese dienen lediglich als Unterstützung für den eigentlichen Sound. Wir wollten unsere eigene Identität weiter ausbauen.

Glanzleistung bei der Produktion

Außerdem wollten wir auch unseren Idolen aus den `80er Jahren huldigen, jene Atmosphäre einfangen und mit den heutigen Möglichkeiten an Produktions- und Equipment-Technik vereinen. Sascha Paeth und Miro haben bei der Produktion eine Glanzleistung hingelegt“, schwärmt Roy. „Ich möchte aber auch gleich hinzufügen, dass meine Idole nicht bedeuten, dass ich von jeher genauso singen wollte, vielmehr halfen sie mir dabei, meine eigene Identität zu finden, haben mich zu dieser Musik und im Allgemeinen inspiriert. Ich mag tolle Sänger und höre sie gern, aber Hand aufs Herz: Ich bin froh, einen eigenen Stil zu haben.“ Während sich andere auf erworbenem Können ausruhen, sieht Roy immer wieder neue Herausforderungen auf sich zukommen.

Eiern beim Singen

„Es ist leicht, bei einem Song zu sagen, dass er einem zu schwer zu singen wäre und man ihn doch bitte ändern soll. Ich empfinde es aber stets als Möglichkeit, dazuzulernen und sehe es mehr als Herausforderung, als Hürde, die mich in meinem Können und auch meiner Persönlichkeit weiterbringt. „Elizabeth“ ist ein solcher Song. Derart hoch habe ich seit Conception-Zeiten nicht mehr gesungen. Auch „Don´t You Cry“ ist ein solcher Fall. Ich habe stundenlang herumgeeiert, bis ich die Gesangsline richtig hinbekommen habe. Ich möchte Ideen einfach umsetzen können, Melodien rüberbringen können und dabei auch Neues an mir entdecken.“ Nun ist es aber auch nicht so, dass man Roy einfach was vorlegt, was er dann gefälligst zu singen hat.

„Um Gottes Willen“, lacht der gebürtige Norweger. „Es wäre nicht interessant für mich, wenn ich nicht auch ins Songwriting involviert wäre. Ich möchte nicht alles kontrollieren, will aber genauso wenig unter Kontrolle stehen. Thomas (Youngblodd, guit) und ich teilen uns das alles gerecht auf, auch die Promotion-Arbeit. Während die früheren Kamelot-Platten sehr auf dieses Gut-gegen-Böse-Schema festgelegt waren, haben wir uns diesmal größeren, universelleren Fragen zugewandt. Den Sinn des Lebens zum Beispiel. Wobei ich zugeben muss, dass wir in dieser Hinsicht nun auch nicht schlauer als zuvor sind. Wer von uns also eine Antwort auf diese Frage erwartet, wird leider enttäuscht werden.“ Sagt´s und lacht.

Mal ohne Sarkasmus

„Aber über solche Themen kann man immer schreiben, da es einfach auch alle Leute stets interessiert. Es regt an zu denken und zu philosophieren. Karma ist kein Konzeptalbum, es steht lediglich ein Grundidee dahinter. Vor einiger Zeit starb ein enger Freund von mir und es war das erste Mal, dass ich mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen zu kämpfen hatte. Das hat mich zu diesem Song selbst inspiriert.“ Vor allem denkt man in solchen Situation auch zwangsläufig mal über den eigenen Tod nach. Die tödlichste Krankheit ist nun mal das Leben: Es endet immer mit dem Tod. Aber Sarkasmus und Schwarzmalerei beiseite. „Denkt man erst mal über den Tod nach und bekommt es dann mit der Angst zu tun, wird einem auch klar, was man im Leben alles versäumt hat und was man noch alles machen wollte oder nachholen kann.

Gut und Böse in einem drin

Man sollte auf sein Herz hören, auf seine innere Stimme. Wie oft passiert es, dass man unangemessen handelt oder Schlechtes tut, obwohl man es besser weiß. Einfach weil man nicht auf die kleine Stimme in seinem Innersten hören will. Man hat immer eine Wahl zwischen Gut und Böse, wenn auch eine subjektive, die man nur für sich selbst treffen kann. Gutes und Böses ist meiner Meinung nicht in erster Linie etwas universelles, sondern etwas, dass in den Menschen steckt. It´s inside. Genau dieses Wissen und die Möglichkeit zu wählen, unterscheidet uns von den Tieren.“ Und macht uns Zweibeiner oft zu den größeren Arschbomben als es so manches wilde Vieh je sein könnte. War der Wunsch nach Allwissenheit, und die damit verbundene Erkenntnis von Gut und Böse, nicht auch der Fehler aller Fehler? Bibel hin oder her:

Wie oft sieht man im täglichen, normalen Leben, dass es ohne dieses Wissen oft besser laufen würde, weil man gar nicht Versuchung käme, nicht auf sein Gewissen zu hören. „Ich denke, es gibt nicht wirklich viele böse Menschen, die meisten denken einfach nicht über ihre Entscheidungen nach. Denkt man aber wieder zu viel nach, dreht man sich ewig im Kreis. Doch trifft das erfahrungsgemäß auf die wenigsten Menschen zu. Den wahren Sinn des Lebens will doch eigentlich keiner wissen.

Wo ist die Spiritualität hin

Den Leuten ist eine gewisse Spiritualität abhanden gekommen und so versuchen sie oft, Antworten auf absurde Art und Weise, zum Beispiel mit Hilfe von Sekten zu finden. Ansonsten dreht sich alles um Geld, Macht, Sex… die Welt ist schon krank. Das alles lenkt nur vom Unterbewussten ab, den eigentlichen Dingen, die man braucht. Träume können auch ein guter Weg sein, sich zu finden, allerdings sollte man da auch die richtige Hilfestellung haben. Es sollte jeder seinen ganz persönlichen Weg finden, um die nötigen Antworten zu finden.“ Tja, die nötigen Antworten sind nicht immer die, die wir hören wollen. Vor allem sollten wir uns alle einmal damit abfinden, dass wir immer nur so viel wissen werden, wie wir auch wissen sollen.“

photocredit: By Cecil (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

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