Interviews

Veröffentlicht am 31.03.2016 von nemesis

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Interview Marty Friedman

Ausnahmesaitenkünstler

Marty Friedman zählt zu den besten Gitarristen unserer Zeit, besonders im Rock- und Heavy-Bereich. Doch es gab so eine Zeit, da hätte man ihm eine Frage echt abkaufen können. Und zwar nach Megadeth. Denn irgendwann war´s mit dem Thema einfach gut und Marty wollte selbst und anders durchstarten. Ein kurzer Blick zurück zu diesem einschneidenden Karriere-Schnitt.

RED: „Ich denke mal eine der meistgestellten Fragen bezog sich lange Zeit nicht nur auf dein erstes Soloalbum nach Megadeth sondern auch auf Megadeth…. wie ging´s Dave Mustaine denn mit deinem Weggang damals?“
MARTY: „Hmmm, ich weiß nicht, ich habe ihn in der letzten Zeit nicht gesehen… ich habe mit ihm vor einiger Zeit, ein paar Monate ist´s her, gesprochen… aber wie´s im Moment aussieht … Ich kann es wirklich nicht sagen… keine Ahnung.“

Logisch auch, dass ihm sein Wetk Music For Speeding dann doch weitaus mehr interessierte

RED: „Gibt es denn die Chance auf eine Art ‚Wiederauferstehung’ und Reunion von Megadeth?“
MARTY lachte: „So weit es mich betrifft… sehr zweifelhaft. Ich hatte die Band nun erst mal verlassen und ich möchte nicht wieder damit anfangen.“

Nun aber zum Album

RED: „Nun gut das sollte zu dem Thema erst mal reichen, zurück zu deinem Album ‚Music for Speeding’. ‚Music for Speeding’ ist einmal mehr ein reines Instrumental Album geworden… Hattest du das so geplant oder fehlte dir einfach nur ein guter Vocalist?“
MARTY (breit grinsend).: „Ehrlich gesagt: Beides! Wenn ich einen guten Sänger gefunden hätte, hätte ich andere Musik geschrieben….. ich meine der Sänger hätte dann auch kräftig mitgeschrieben… aber letztlich habe ich die Scheibe dann als Instrumentalalbum auch geplant … keine Vocals.“

Fortführung früherer Zeiten

RED: „War es so geplant, dass du also jetzt an dem Punkt verstärkt weiter arbeitest, an dem du aufgehört hast als du zu Megadeth gegangen bist?“
MARTY: „Ja, es war schon so eine Art Fortsetzung der Arbeit… auch wenn ich, während ich bei Megadeth war, auch noch Solo etwas produziert hatte. Immerhin war das schon meine fünfte Soloscheibe – aber im Prinzip stimmte das schon.“

RED: „Wie lang hast du denn für die Songs der Scheibe benötigt?“
MARTY: „Ich habe damit Anfang des Jahres zurvorbegonnen… hmmmm die Aufnahme hat dann etwa vier Monate gedauert aber alles in allem etwas über ein Jahr.“
RED: „Na das hat dann ja nicht so lange gedauert …“

MARTY (nachdenklich): „ … doch letztlich schon….. ich musste erst mal das ‚engeneering’ richtig lernen. Ich habe seit geraumer Zeit ein Studio zu Hause aber habe mich nie richtig mich damit beschäftigt damit vernünftig zu arbeiten. Ich war zwar in der Lage einige Demos zu produzieren aber das war alles nicht gut genug um daraus wirklich eine CD zu machen…
Darum habe ich mich letztes und vorletztes Jahr lange Zeit hingesetzt um das Engeneering vernünftig hinzubekommen. Gleichzeitig habe ich dann Musik geschrieben und dann gelernt wie man das Ganze aufnimmt und meine Mischer-Fähigkeiten auszutesten.

Fizzelarbeit und neues Terrain

Und ein Teil dieser Aufnahmen wurden dann letztlich auch Teil von Musik for Speeding. Normalerweise kommen Ideen für Songs als Melodien in mein Bewusstsein und ich erweitere diese Ideen dann zu Songs…… aber die Möglichkeit diese Ideen dann auch selber aufzunehmen und weiter daran zu arbeiten gab mir viel mehr kreative Freiheiten als mit der Ideen dann außerhalb ein oder zwei Monate in einem Studio produzieren zu müssen. Wenn man es genau nimmt war ich für das Album etwa ein Jahr im Studio aber vier Monate waren die Zeit in der ich mich wirklich nur auf das Album und dessen Produktion konzentriert hatte, aber ein Jahr hatte ich an den Ideen gefeilt und einige dieser Ideen sind sehr langlebig.“

RED: „War ‚Music for Speeding’ sozusagen dein erstes Album bei dem alles aus einer Hand kommt?“
MARTY: „Nun ja, produziert habe ich alle meine Alben… aber halt das Sound-Gepfriemel habe ich immer anderen überlassen. Aber diesmal hatte ich beschlossen mich der Herausforderung selbst zu stellen.“

Perfektionist am Werk – aber nur für sich selbst

RED: „Nun, auf der anderen Seite, wenn man zum ersten Male alles selber im Studio macht, viel Zeit hat und die ganzen Möglichkeiten der Soundbearbeitung und des Recording sieht, gerade im digitalen Zeitalter,… gerät man da nicht auch ein wenig in die Gefahr etwas zu ‚Überproduzieren’ , einfach zu viel herumzubasteln?“

MARTY (lachend): „Ja, da hast du absolut recht. wenn man es genau nimmt ist auf der Scheibe ein alles ein wenig zu viel. Ich bin eine Art Perfektionist und wenn ich die Möglichkeiten der Digitaltechnik sehe erliege ich oft der Versuchung auch alles zu benutzen um das Ergebnis perfekter und dann noch perfekter zu machen. Und am Ende klingt es für meine Ohren dann perfekt während anderen die Rough Version vielleicht besser gefallen würde… Aber ich liebe das perfekte Endergebnis… jedes Timing stimmt. jede Note einfach alles.“

RED: „Ich denke auch, dass du zwei unterschiedliche Arten von Fans hast. Zum einen den ‚normalen’ Fan, der einfach nur die Musik hört ohne alle Feinheiten mitzubekommen, und auf der anderen Seite andere Musiker, speziell Gittaristen die sich fragen, was Marty Friedman da wieder hinzaubert.“
MARTY: „Im Grunde mache ich das nicht, um andere zu beeindrucken. Ich lege es noch nicht einmal darauf an, dass jemand eine gewisse Perfektion bemerkt. Ich möchte nur, dass die Leute die Musik mögen, der Perfektionismus ist nur für mein eigenes Ego. Damit ich zufrieden bin. Ich möchte eigentlich nicht, dass die Leute sagen ‚Hey wow – hör das da im zweiten Song mal an – das war grad perfekt blablablabla’ … das brauche ich so nicht zu hören. Ich möchte es für meine Ohren so hinbekommen wie ich es will… und das dauert manchmal seine Zeit.“

Live lockerer zur Sache

RED: „Auf der anderen Seite denke ich mir, dass es etwas schwierig ist, diese Perfektion auch live auf der Bühne zu reproduzieren – zumal wenn man im Studio mit diversen Tonspuren parallel arbeitet.“
MARTY: „Nun ja, live sehe ich das nicht ganz so eng… da bin ich nicht ganz so perfektionistisch. Wenn man im Studio arbeitet, ist das, als würde man ein Bild malen – man malt bis es absolut perfekt ist, doch live ist es, als würde man das Bild mit einer Kamera aufnehmen und hofft das die essenziellen Dinge dabei sind.“

RED: „Was magst du denn persönlich mehr? Live zu spielen oder komponieren und arbeiten im Studio?“
MARTY: „Wenn ich auf Tour bin – so die ersten sechs Monate – würde ich sagen definitiv das Live-Geschehen. Danach denke ich meist ‚Och ich bin so müde und das Reisen nervt mich an, ich will wieder ins Studio gehen – das ist so aufregend’ und nach einigen Monaten im Studio denke ich dann wieder ‚och ich will live spielen …’ das ist wie ein Kreislauf.“
VS grinsend: „Na ja, dann wohl eher ein Teufelskreis.“
MARTY lachend: „Teilweise schon.“

Alben:

Mit Megadeth:

Rust in Peace
Countdown to Extinction
Youthanasia
Hidden Treasures (EP)
Cryptic Writing
Cryptic Sounds – No Voices in Your Head (EP)
Risk

Solo:

  • Dragon’s Kiss
  • Scenes
  • Introduction
  • True Obsessions
  • Music for Speeding
  • Loudspeaker Shrapnel
  • Kick Ass Rock
  • Future Addict
  • Tokyo Jukebox
  • BAD D.N.A
  • Tokyo Jukebox 2

Aktueller Output:

Inferno


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