Interviews

Veröffentlicht am 10.05.2016 von nemesis

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Interview Masterplan

Naturgewalt

Gespannt waren wir ja alle, als sich Masterplan anno dazumal ankündigte. Und wer nicht, hat einfach eher wenig mitbekommen, was so in der Metal-Szene abging. Die beiden Ex-Helloweener Uli Kusch (drums) und Roland Grapow (guit) hatten mit Masterplan eine neue Band aus der Taufe gehoben, die im Power Metal-Bereich gehörig Staub aufwirbeln sollte. Mit an Bord damals bei den beiden: Ausnahmesänger Jorn Lande (u.a. Millenium, Ark), Jan S. Eckert (bass) und Axel Mackenroot (keys). Das selbstbetitelte Debut Masterplan´s lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, dass sich hier die richtigen Musiker zusammengefunden haben, um einerseits der Tradition zu frönen und auch wieder frische und neue Akzente zu setzen, die bei jedem Stück wieder aufs Neue überzeugen. Uli Kusch behauptet erstmal, Hunger zu haben, um sich dann sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung zu zeigen.

Wartezeit und spannende eineinhalb Jahre

Grund zu meckern hatten Masterplan wahrlich nicht, den pünktlich zum ersten Release gab es auch noch die optimale Gelegenheit, das Debut zu promoten: On tour mit Dream Evil und Hammerfall. „Wir befanden uns gut eineinhalb Jahre in Warteposition, bis wir nun durchstarten konnten“, erzählte Uli. „Nach all der Zeit freuten einen die guten Presse-Ergebnisse doch noch ein ganzes Stück mehr. Wir haben auch gerade mit den Proben zur Tour angefangen, was sich als sehr erfrischend herausstellt. Es dauert seine Zeit, bis ein neues Projekt oder eine neue Combo steht, obwohl Roland und ich bereits zu Helloween-Zeiten an Songs für ein Projekt geschrieben haben. Als sich die Sache mit Helloween dann erledigt hatte, begaben wir uns auf Muckersuche. Spannende eineinhalb Jahre waren das, kann ich nur sagen.“

„Back For My Life“

Neben den richtigen Mistreitern musste schließlich auch ein Label gefunden werden. „Wir sind als Musiker doch schon ein paar Jährchen unterwegs und haben daher bei den Plattenfirmen auch einen gewissen Namen. Dennoch hängt es vom Material ab, ob der Sprung ins kalte Wasser gelingt oder man absäuft.“ Besonders der dritte Song „Kind Hearted Light“ ist ein echter Bringer, möchte man doch beim Übergang zum Refrain am liebsten Gary Moore´s „Out In The Fields“ dazu singen, so gut passt das zusammen.

Zwei Songs in einem oder Studio-Spielereien

„Hehe, das ist uns auch aufgefallen und wir haben das auch im Proberaum immer dazugeträllert, während Jorn seine eigene Melodie sang. Absicht war´s keine, aber ich denke, dass diese Parallele kein Problem ist, denn Jorn macht mit seinen Vocals aus dem Stück selbst nach dieser kurzen Passage wieder etwas ganz Eigenes. Roland und mich hat es voll aus dem Hocker gehauen, als wir hörten, was Jorn mit den Tracks anstellt. Beim Opener „Spirit Never Die“ würde man eher eine Stimme wie die Michi Kiskes oder Kai Hansens erwarten, doch Jorn´s Stimme und Art zu singen gibt dem Ganzen eine total andere Richtung. Wir waren auch schon zu Helloween-Zeiten musikalisch aufgeschlossen. Insgesamt hatten wir am Ende 17 Songs für Masterplan geschrieben, doch drei wahren zu weit ab vom Schuss, gingen ein klein wenig in die Richtung Nu Metal.“

Wobei bei diesen Musikern Nu Metal nur schwerlich richtiger Nu Metal sein kann. Also, Hüpf-Schepper-Rock kann ich mir von Uli und Co. so gar nicht vorstellen. „Zumal es mit Jorn auch nicht hundertprozentig nach Nu Metal klingen könnte“, wirft Uli ein. Interessant ist auch das Artwork der CD, dessen vier Bilder einen Haufen Zerstörung anzeigen. So ein Ruminterpretierer wie meinereins kommt da schnell auf ennen potentiellen Zusammenhang zwischen Motiv und Bandname. Gedacht war´s aber anders.

Album Time To Be King

Vergangenheitsbewältigung

„Die vier Pics sind eine etwas andere Darstellung der Naturgewalten, Wasser, Feuer, Erde, Luft. Diese sollen auch ein wenig für uns vier Instrumentalisten stehen, während das fünfte Symbol in der Mitte für Jorn stehen soll. Im Endeffekt kann aber jeder in das Cover reininterpretieren, was er oder sie möchte.“ Die eingangs erwähnte Warteposition der Band bezog sich natürlich auf die Zeit nach Helloween, „die frei von Rückschlägen war. Diese Zeit ist vergleichbar mit der, die ein Kind braucht, um Laufen zu lernen. Direkt nach dem Split machte sich selbstredend eine gewisse Ernüchterung breit, doch war dieses Auseinandergehen absehbar. Die Art und Weise war eher schockierend. Nach einer Weile wird einem dann bewusst, dass das Ganze auch eine existentielle Frage ist. Mit Jorn landeten wir einen absoluten Treffer, ich hätte ich schon immer gern auf meinen Songs singen hören wollen.

Esmig an der Metal-Front

Durch die tolle Entwicklung mit Masterplan verschwindet die Vergangenheit auch immer mehr aus meinem Gedächtnis. Wir haben etwas Neues und das ist gut so.“ Dennoch gibt Uli zu, dass ein derartiger Split mehr ist als nur eine Trennung von Kollegen. „Ich habe ja nicht nur meinen Job an den Drums gemacht, sondern mich auch ins Songwriting eingebracht. Es war wie eine Familie.“ Von der er jetzt eine neue hat. Uli hatte mit Catch The Rainbow ein Rainbow-Tribute-Projekt am Laufen und auch Roland veröffentlichte zwei Solo-Scheiben. Beides steht nun absolut im Hintergrund und sogar Jorn wird sich voraussichtlich in erster Linie Masterplan zuwenden. „Er wird bei all seinen anderen Projekten kürzer treten. Im Kopf planen wir schon die zweite Langrille, doch jetzt werden wir erstmal sehen, wie alles auf Tour funktioniert, wie wir in dieser Hinsicht zusammenpassen und harmonieren.“

„Spirit Never Die“

Immer auf dem Teppich bleiben

Dabei haben aber alle beteiligten Musiker genug Erfahrung, um sagen zu können, mit wem sie auf Dauer in einer Band klar kommen und mit wem nicht. „Ganz klar, der erste Eindruck ist enorm wichtig. Jorn war von Anfang an trotz seiner Erfolge total auf der Erde und allein durch die Inspiration der Musik haben wir alle schon einen gemeinsamen Draht. Doch kenne ich auch die Anfangseuphorie, wie sie auch bei Helloween vorhanden war. Irgendwann kann das Langeweile weichen. In diesem Fall ist es dann die Frage, wie lange man so etwas aufrechterhalten will. Es ist vergleichbar mit einer Beziehung, in der man auch den richtigen Weg finden muss, um die Sache nicht einschlafen zu lassen. Doch nachdem in einer Band die Ziele meist dieselben sind, ist es oftmals auch einfacher Kompromisse zu schließen als in einer Beziehung.“

Line-up:

Gründungsmembers:

Gesang: Jørn Lande (2002)
Bass: Jürgen Attig (2002)
Gitarre: Roland Grapow
Schlagzeug: Uli Kusch (2002–2006)
Keyboard: Janne Wirman (2002)

Derzeitiges Line-up:

Gesang: Rick Altzi (seit 2012)
Gitarre: Roland Grapow
Bass: Jari Kainulainen (seit 2012)
Schlagzeug: Martin Marthus Škaroupka (seit 2012)
Keyboard: Axel Mackenrott (seit 2002)

Alben:

Studioplatten:

Masterplan
Aeronautics
Mk II
Time to Be King
Novum Initium
Keep Your Dream Alive

Eps:

Back for My Life
Lost and Gone

Singles:

Enlighten Me
Far from the End of the World

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