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Veröffentlicht am 30.03.2016 von nemesis

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Lost Horizon

Heavy Metal ist Kunst

Träumen da nicht alle Mädels davon: Ein knackiger, junger Typ mit Esprit, Hirn und Power… und dem Weitblick, Einfühlungsvermögen und Loyalität, die man erst im Alter bekommt. So etwas zu finden, gestaltet sich mitunter doch recht schwierig, wenn nicht unmöglich. Bleibt einem nur noch die Möglichkeit, sich seinen Traum vom besten beider Klassen zumindest in musikalischer Hinsicht zu erfüllen.

Man nehme alt und neu, verbinde es auf gekonnte und effektive Weise und erhält ein Metal-Schmankerl, wie es Lost Horizon mit ihrem Debut Awakening The World auf den Markt gebracht hatten. Leider lassen sich die Jungs im Moment ganz schön Zeit damit, mal wieder etwas nachzuschieben, aber schauen wir mal.

Kinder der 80er

Das Ziel der Jungs war es, alte und neue essentielle Metal-Elemente zu verbinden, und so wunderte es nicht, wenn diese Mischung, wenn sie gelungen ist, einen Hammer wie diese Scheibe ergibt. „Unsere größten Einflüsse finden sich ganz klar in den `80er Jahren“, begannDrummer Christian Nyqvist das Gespräch. „Die Band selbst bestand schon seit zehn Jahren, zumindest in der Grundidee.

1998 hatten wir angefangen, diese alten Songs auszubudeln und in ein neues, zeitgemäßes Gewand zu legen, sie durch die Erfahrungen der neuen Metal-Ära auzupeppen. Man kann keine Metal-Band an den Start bringen, die wie die alten Helden klingt. Also, man kann schon, nur den Sinn dahinter sehe ich nicht.“ ´91 noch unter dem Banner Highlander aktiv, ging es mit den Bandmitglieder immer Reih` um, bevor die Band 1995 auf Eis gelegt wurde.

Untypischer Landehafen

„Es entstand dann der Wunsch, eine geile Metal-Scheibe abzuliefern, das zu bringen, was andere nicht können. Wir hatten eine 2-Track-Demo aufgenommen und an verschiedenen Labels geschickt. Wie man das ebenso macht. Es schneiten viele gute Angebote ins Haus, aber Music For Nations schienen uns am meisten dahinter zu stehen.“ Nun kannte man von diesem englischen Label aber in erster Hinsicht den melodischen Rock- und Hardrock-Sektor. Nicht gerade der typischste Nährboden für eine Power Metalo-Band wie Lost Horizon: „Music For Nations haben fast aus jeder Rock-Sparte ein paar Bands, um die sie sich dann mit ganzen Einsatz kümmern können, ohne sich selbst das Wasser abzugraben.“

Ein Fehler, den viele andere Labels ab und an schon machen. Da werden hundert Black Metal-Combos und tausend True-risten unter Vertrag genommen, man nimmt sich selbst die Fans weg oder spaltet sie auf und kostet sich unterm Strich nur selbst die sauer verdienten Kröten. „Wir wollten zudem keine Band von hundert anderen sein, sondern eine gewisse Priorität genießen. Durch die gezielten Deals mit Bands aus verschiedenen Bereichen macht man sich den vorhandenen Markt besser zunutze und kann auch mehr investieren. Allein Promotion verschlingt eine Menge Geld. Viele Labels schaufeln sich einfach ihr eigenes Grab, wenn sie ständig nur signen, ohne wirklich zu denken.

Der Markt wird überfüttert

Die Industrie hat sich in meinen Augen ziemlich umgedreht: Früher waren Firmen da, um Musik an die Leute zu verbreiten. Heute geht es ausschließlich ums Geld. Der Markt wird ständig überfüttert.“ Tja, zum einen haben die Durchschnittsmusikhörer kaum die Chance, Musik aus diesem Bereich zu Gehör zu bekommen, zweitens lässt die Qualität von Musik im mainstreamigen Bereich nach, was zu einer Herabsetzung der Ansprüche der Hörer auf Dauer führt und drittens saugen sich bei größeren Firmen meist die falschen Leute die Kohle unter die Finger. Ergo: Die Künstler bleiben auf der Strecke, die Hörer verblöden zum Teil und Musik, die nicht ins Schema passt, kommt nicht zu Zuge.

Und die paar Fans, die da sind, sollen sich alles kaufen, was Hinz und Kunz unter Vertrag nehmen. Fazit wäre also: Weniger Bands signen, neue Fans gewinnen. Aber das ist alles leichter gesagt als getan. „Viele Bands machen ihren Quark ohne Intention. Musik und Metal sind auch Kunst. Und diese Kunst ist es, wegen der wir Heavy Metal spielen. Es wäre eine Schande, die Kraft, die in dieser Musik steckt, zu zerstören. Man sollte mit ihr vorsichtig umgehen. Aus meiner Einstellung heraus verstehe ich auch nicht, wie Leute die Meinung vertreten können, Musik dürfe kein Geld kosten. Viele wissen anscheinend nicht, was Musik oder auch nur ein einzelner Song ihnen geben kann, und wie lange diese Stütze anhalten kann.

Die Liebe dahinter

Dass darf man sich ruhig ein bisschen was kosten lassen, denn es steckt auch eine Menge Kraft, Zeit und Liebe dahinter. Es gab eine Zeit, in der ich den Glauben an die Menschen wirklich verloren hatte. Niemand schien mehr über Iedalismus und Liebe zu einer Sache zu verfügen, immer nur Geld, Geld, Geld. Allerdings habe ich durch das Musikmachen und Metal-Szene wieder solche Leute gefunden, und das ist ein tolles Gefühl.“ Da sich Lost Horizon auch vorgenommen hatten, den Hörern so viel als möglich zu bieten, saß nach Christian´s Aussage bei dieser Scheibe alles dort, wo es sein soll. „Wir haben versucht, all unsere Energie in die Songs zu stecken. Ich dachte, ich spinne, als wir uns wieder im Studio beim Mix die Stunde um die Ohren geschlagen haben und die Frage gestellt wurde, wofür wir das alles machen, es sei doch nur eine Aufnahme.

Je mehr Energie und Liebe man in seine Kunst steckt, umso überträgt sich davon auf den Hörer. Uns ist es wichtig, dass diejenigen, die die Scheibe hören, genau hinhören und auch die Texte mal mitlesen. Es hat auf dieser Scheibe alles seinen Grund und der Hauptgrund ist, den Leuten Kraft zu geben. Wir haben unser ganzes Gefühl und Wissen in die Musik und die Texte gelegt.“ Mag man auch zu Beginn angesichts der Pseudonyme auf der CD und dem fantasy-mäßigem Cover schmunzeln, begreift man angesichts der Musik, dass es hier nicht um Posing geht, sondern um eine ernste und ernstzunehmende Absicht, die einen mit viel metallischer Intensität vermittelt wird.

Alben:

  • Awakening the World – The Sampler
  • Awakening the World
  • Cry of a Restless Soul
  • A Flame to the Ground Beneath

photocredit: https://www.facebook.com/14598682387/photos/pb.14598682387.-2207520000.1459101393./10152299138347388/?type=3&theater

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