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Veröffentlicht am 16.07.2015 von nemesis

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Rhapsody – Heile heile Welt?

Kaum eine andere Band hat in den letzten Jahren einen derart furiosen Start gingelegt wie Rhapsody. Gleich mit dem Debut „Legendary Tales“ (1997) schlugen die italienischen Bombast Symphonic Metaller ein wie eine Bombe. Mit der, der aktuellen Platte „Power Of The Dragonflame“, vorausgegangen EP „Rain Of A Thousand Flames“ setzten die Jungs bereits ein paar neue Akzente, die deutlich machten, daß Rhapsody mehr auf dem Kasten haben, als sich auch wuchtigen und komplex-verspielten Arrangements auszuruhen.

Hier ein wenig härter, da ein bisschen dreckigere Vocals…. und mit dem neuen Silberling setzen Rhapsody diese Entwicklung auch fort. Die typischen Elemente und epischen Einstreuungen sind natürlich nicht unter den Tisch gefallen. „Die EP hat sich auch sehr gut verkauft und die Resonanzen sind nun bei der neuen Platte sogar noch eine Ecke besser als sonst“, beginnt Tastenmann Alex Staropoli das Gespräch.

„Ganz ehrlich, mit solchen Verkäufen hatten wir bei der EP absolut nicht gerechnet. Viele waren danach erst recht auf den neuen Longplayer gespannt. Doch ist es eher unwahrscheinlich, daß wir so etwas noch einmal machen werden. Diese EP war ein Special, soll etwas Besonderes für unsere Fans sein.“

„Macht doch einfach nur alle weiter gute Scheiben“

Alex selbst würde sich von seinen Lieblingscombos nur eines wünschen: Keine Specials, sondern. „och, die sollten einfach nur weiter gute Platten veröffentlichen. Ich warte auf die neue Manowar und war total gespannt auf die neue King Diamond. Und ich wäre mega enttäuscht, wenn ich mich derart auf eine neue Scheibe meiner Faves freuen würde und es käme nur Käse. Man gibt Geld aus und freut sich und dann… blobs. Macht keinen Spaß. Die neue King Diamond-Scheibe („The Revenge: Abigail II“) ist aber absolut klasse, ich finde es super, daß wieder mehr der alte Stil durchbricht.“

Und wie sahen es die Fans, daß bei Rhapsody ein paar Neuerungen durchbrechen? „Die Fans finden´s gut. Uns ist die Meinung unserer Fans sehr sehr wichtig, und nicht wenige finden, die neue Platte sei die beste bisher. Luce (Turilli – guit) und ich sind auch dieser Meinung. Wir sind keine perfekte Band mit perfekten Songs, haben immer noch eine Menge Ideen, die wir miteinbringen möchten. Wir hatten einen guten Start, eine gute Entwicklung von unserer ersten Platte bis zur vierten.“ Und strebt man als Musikus nach vorne, bleibt es eigentlich nicht aus, daß die jeweils aktuelle Platte die beste sein sollte – sonst wär´s Essig mit der Weiterentwicklung. Nur mal so am Rande für alle, die die Augen verdrehen, wenn eine Band behauptet ‚die neue CD ist die beste, die wir gemacht haben’.

Einfach aus dem Bauch raus

„Es ist offensichtlich, daß wir uns verändert haben, wenn auch nicht zu sehr. Ich mag es selbst nicht, wenn sich Combos zu weit aus dem Fenster lehnen und mit einem komplett neuen Stil anrücken. Den Druck, immer besser zu werden, das bisher Gebotene immer wieder zu toppen, spüren wir so nicht. Wir nennen das nicht Druck, sondern vielmehr den Wunsch, unsere Grenzen zu erweitern.“ Was die meisten Nicht-Musiker nicht einmal geistig auf die Reihe bekommen. „Ich empfinde es als ziemlich einfach, das Beste zu geben und vorwärts zu kommen. Man sollte sich immer das höchste Ziel suchen und beständig darauf hinarbeiten.

Für einen Künstler sind hohe Ziele wichtig. Wenn man wirklich mit dem Herzen dabei ist, dann ist das allerdings kein bewußter Gedanke, den man faßt, sondern eine natürlich Entwicklung. Man sollte nicht kalkulieren. Was wir machen, kommt von Herzen, dahinter steckt keine mathematische Idee oder ähnlicher Kram. Wir würden nie etwas machen, was uns gegen den Strich geht. Viele machen es sich wirklich einfach, unsere Musik zu beurteilen.

Ich kann durchaus mit Kritik umgehen, schließlich kann man aus ihr auch Vorteile für die Zukunft ziehen. Aber was ich absolut nicht leiden kann, sind derart lapidare Kommentare und Aburteilungen, wie ‚die kommen hakt aus Italien’. Kommentare und Kritik sollten fundiert sein“, bricht bei dem Keyboarder auch mal die temperamentvollere Seite durch. Doch ist das ein Schicksal, wie es mittlerweile fast jeder Band aus Italien zuteil wird.

„Ich laß mich nicht von doofen Kommentaren runterziehen“

„Auch Manowar wurden zu Beginn ihrer Karriere belächelt und abgeurteilt. Ihr Image, ihre Klamotten – alles wurde kritisiert. Ich habe wirklich keinen Bock auf solche Kommentare, sich mit ihnen zu beschäftigen, ist nur Zeitverschwendung. Ich würde mir von einigen Journalisten mehr Respekt wünschen. Ich schere nicht alle über einen Kamm, Gott bewahre, aber es gibt schon so Spezialisten. Einige hassen unseren Namen, unseren Visagen und damit auch unsere Musik – ohne sie sich eigentlich richtig anzuhören. Unsere Fans sind wichtig, denn die hören richtig hin und beschäftigen sich wirklich mit unserer Musik.“ Doch betont Alex auch noch mal, daß es sich bei diesen Schreiberlingen nicht um den Großteil der Journaille handelt. „Unsere Energie kommt durch die Fans. Ich finde es auch absolut klasse, wenn auf unserer Homepage wieder ein Chat läuft. Wir versuchen immer, alle Fragen zu beantworten, es wäre nicht unser Ding, jemand anderes für uns schreiben zu lassen.“

Vorgefertigte Meinung à la Germany?

Während andere Bands x-Songs ansammeln um dann die besten für die nächste Scheibe auszuwählen, haben es Rhapsody leichter, wie Alex findet. „Wir haben bisher keinen Song geschrieben, der nicht dazu paßte. Das rührt allerdings daher, daß wir die Story der CDs kennen und so Stück für Stück, Song für Songs vorgehen können. Wir haben einen Track bereits im Kopf, wenn wir anfangen zu schreiben. Jeder hat seine eigene Methode, Stücke zu schreiben.

Andere jammen rum, Luca und ich setzen uns zusammen, basteln das Grundgerüst. Ich gebe alles in mein kleines Keyboard ein (das neue lobt er in den höchsten Tönen), Luca zupft auf der Klampfe rum… für uns hat das denselben Zauber, wie für andere das Jammen im Proberaum. Steht die Basis einen Songs mal, experimentieren wir da auch nicht rum, das kommt erst bei den Details. Hier wird schon improvisiert. Fängt man gleich an, auch die Details und exakten Arrangements einzubauen, verliert man sich nur in Kleinigkeiten und kommt selten zu einem Ende.

Es ist oftmals sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich Musiker arbeiten.“ Und Alex kommt noch mal einmal kurz auf die schreibende Zunft zurück, denn eines will ihm absolut nicht in das kreative Köpferl: „Ich verstehe nicht, warum ausgerechnet aus dem Land, das unser bester Markt ist, nämlich Deutschland, die meisten der angesprochenen Journalisten kommen. Zu Beginn von Rhapsody dachten wir wirklich noch, es sei nur eine Frage der Einstellung und des Geschmacks, doch wir habe begriffen, daß wir eigentlich spielen könnten, was wir wollen. Wir könnten auch Popmusik machen und diese Leute hätten die gleiche Meinung über uns.

‚Eine weitere Platte, wieder ein Intro, das gleiche Outro und die gleichen Lyrics’… genauso kommen manchen Reviews oft. In Italien gibt es auch Journalisten, die uns kritisieren, doch geschieht es hier mit mehr Hirn. Sie mögen es nun mal etwas zu kommentieren, doch sie hören sich eine Platte erst an und das kann man aus den Reviews auch herauslesen.“ Tja, ab und zu sollte jeder mal seine Einstellung zum Job überdenken. Musiker, Anwälte.. und eben auch Schreiberlinge.

photocredit: https://en.wikipedia.org/wiki/File:Rhapsody_power_of_the_dragonflame.jpg

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