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Veröffentlicht am 22.06.2015 von nemesis

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Rückblick Wacken 2004

Das waren noch Zeiten – Wacken Open Air 2004

  1. – 07.August 2004

Wenn einer eine Reise tut! Dieser Spruch ging mir fortwährend durch den Kopf als ich mein bis oben hin vollgestopftes Auto betrachtete. Naja, man fährt ja schließlich in den hohen Norden und da muß man auf alles vorbereitet sein. Wer das Wacken Open Air kennt weiß, je früher man dort ankommt, desto besser ist die Platzwahl beim Ankommen auf dem Campingplatz. Unseren Gewohnheiten treu geblieben, fuhren wir auch dieses Jahr wieder am Dienstagabend los. Als wir nach einigen Stunden Fahrt im schönen Wacken ankamen und in den Campingplatz C einfuhren, kam der erste Schock. Der Platz war schon so gut wie voll; das gab es noch nie das am Mittwochmorgen schon so viele Metalheads vor Ort waren. Im hintersten Eck haben wir dann doch noch ein Plätzchen gefunden wo wir unsere Zelte aufschlagen konnten. Den Mittwoch und Donnerstag verbrachten wir dann, bedingt durch die extrem heißen Temperaturen, unter dem Pavillon und natürlich im Planschbecken.

Auf geht´s in Getümmel

Am Donnerstagabend machte sich dann die Nervosität und zugegebenermaßen ein wenig Angst breit. Warum Angst? Nun ja, wie jeder weiß, gaben sich die BÖHSEN ONKELZ die Ehre und ein Teil ihrer Fans ist bekanntlich etwas anders drauf. Ich rechnete mit einigen gewalttätigen Übergriffen, was aber letztendlich nicht eintrat. Der erste Höhepunkt am Donnerstag fand bereits vor den ersten Bands statt. Die KULT BLASKAPELLE VOM MUSIKZUG WACKEN gab ein Konzert auf der Jim Beam-Stage. Ich behaupte jetzt einfach mal, das keine Blaskapelle jemals mehr Zuschauer gehabt hat als diese.

Der Spaßfaktor war riesig und selbst zu so einer Art von Musik wurde ordentlich abgebangt. Da mein Kollege schon über einen Großteil der diesjährigen Bands berichtet hat, übernehme ich dann mal die restlichen Kapellen. Los ging es am Freitag mit WEINHOLD. Wow! Was für eine Frau, diese Jutta Weinhold! Die einzigartige und ausdrucksstarke Stimme der Rockröhre veranlasste Gänsehaut bei vielen Fans. Das war auch kein Wunder, denn die Stimme und die musikalische Leistung waren hervorragend. Auch die Fangemeinde war hin und weg und das zeigte sich an der guten Stimmung während des Auftritts.

Mit Mayhem auf die Vollen

Weiter ging es dann mit meiner Lieblingsband MAYHEM auf der Blackstage. Eine Menge Leute auf dem W.O.A dachte wohl genau wie ich und machte sich schon früh auf den Weg zur Bühne. Wer die Bühnenshow der norwegischen Kult Blackmetaller kennt weiß, daß aufgespießte Tierschädel nicht fehlen durften. Und wie nicht anders erwartet, waren diese auch vorhanden. Der Auftritt an sich war gut, wobei es auch schon bessere gab. Die 5-köpfige Formation schaffte es aber dennoch, die Fans in Ausnahmezustand zu versetzen. Eine geniale Stimmung machte sich breit, als sich Sänger Maniac mit einem riesen Dolch am ganzen Körper selbstverstümmelte, anschließend dieses Mordwerkzeug in einen der sieben Tierschädel rammte und in die Menge schleuderte. Was auch sehr positiv bei den Fans ankam, waren die vielen Klassiker wie „Freezing Moon“, „Deathcrush“ und „Pure Fucking Armaggedon“.

Cooling down

Nach einer längeren Verschnaufpause im Biergarten ging es gut gestärkt zur Wetstage wo MISERY INDEX bereits in den Startlöchern standen. Ein herrliches US-amerikanisches Geknüppel boten die Ex-Dying Fetus-Männer dar und jeder kam auf seine Kosten. Das Zelt war gestopft voll und bei den tropischen Temperaturen war man innerhalb kürzester Zeit von oben bis unten durchgeschwitzt.

Misery Index als Frischlinge

Ein durch und durch gelungener Auftritt bei dem es rein gar nichts auszusetzen gab. MISERY INDEX stellte mit ihrer technischen und gesanglichen Versiertheit einige andere Bands in den Schatten. Man kann nur hoffen, das man MISERY INDEX beim nächsten W.O.A auf einer größeren Stage sehen wird. Das zweite Highlight des Tages fand wieder auf der Blackstage statt (war irgendwie klar). Humppa Polka von ELÄKELÄISET. Das Schöne an der finnischen Spaßfraktion ist die Bühnenshow und das Spielen von Liedern die jeder kennt, nur eben auf Finnisch. Sie spielen Lieder wie „Barbiegirl“ (Humppabarbi), „Hotel California“ (Hotelli Helpotus) und „Under the Bridge“ (Humppan olla) und das Geniale ist, jedes Bandmitglied singt, sogar der Schlagzeuger. Zum Auftritt selbst gibt es auch nur positives zu vermelden. Der Sound war brilliant und das spielerische Können haben sie perfekt unter Beweis gestellt. Auch die vielen Fans wurden regelrecht vom Humppafieber angesteckt und ließen sich mitreissen. So viele Fans waren meiner Meinung nach an diesem Tag noch bei keiner anderen Band und das spricht doch absolut für ELÄKELÄISET.

Vorhang hoch für Doro

Auf der True Metalstage kam dann kurz vor Mitternacht nostalgische Stimmung auf. DORO & WARLOCK & ORCHESTER. Über diese schwermetallischen Urgesteine brauche ich wohl kein Wort mehr verlieren. Also wer diese Größe nicht… Was is´ denn des dann, ha?!? Bei diesem Zusammenspiel fehlen mir die Worte! Gänsehaut am ganzen Körper trifft es wohl am Besten. Alles war schlicht und ergreifend perfekt. Ich habe noch nie erlebt, das Klassik und Metal so eine Harmonie bilden das es einen aus den Latschen hebt. Kurz gesagt, wer auf Wacken war und sich dieses Spektakel nicht gegeben hat, hat auf jeden Fall verpaßt und soll sich schämen.

Anthrax als Startschuß

Der Samstag begann mit ANTHRAX. Dieser Name steht für Milzbrand und für einen biologischen Kampfstoff, den manche Länder gerne hätten und einige bereits schon haben. Nein, auf Wacken spielten an diesem Nachmittag keine Milzbrand-Bazillen, sondern die Thrash Metal-Götter schlechthin. Scott Ian und Mitstreiter lieferten vor einigen 100 Fans einen Gig ab, der nur noch genial war. Von „H8 Red“ bis „My safe home“ war einfach alles dabei was wichtig ist um eine Horde Radauburschen auf Trab zu halten. Auch bei den New Yorkern lief alles wie am Schnürchen, sowohl spielerisch als auch technisch.

Growlend geht die Welt zu Grunde

Nun gut, wir kommen zum ersten Highlight am Samstag, CANNIBAL CORPSE. Die Formation aus Amerika hatte wirklich einiges zu bieten in Sachen Death Metal. Dementsprechend hoch war auch die Besucherzahl von den Freunden der extremen Musik. CANNIBAL CORPSE sind auch ohne Chris Barnes eine Band mit ordentlich Potenzial und entpuppten sich zu einer fantastischen Live-Band. Teilweise ließ zwar der Sound etwas zu wünschen übrig aber das kann man der Band durchaus verzeihen, da vom Technischen, Gesanglichen und dem Einsatz auf der Bühne einfach alles perfekt war. Kommen wir nun zu den ungekrönten Black Metal-Göttern SATYRICON & NOCTURNO CULTO von DARKTHRONE, natürlich auf der Blackstage (wo sonst). Die ersten 30 – 40 Reihen waren schon während Saxon belegt und das bewies, welchen Beliebtheitsgrad diese Band genießt.

Goodbye….

Für mich persönlich war dieser Auftritt eine sehr traurige Angelegenheit, denn es war ihr allerletzter Gig aufgrund der Auflösung der Band. dann war es endlich soweit. Mit einem riesen Beifall wurden die Majestäten auf der Bühne empfangen. 1 1/2 Stunden Black Metal vom Feinsten war angesagt und der Song „Mother North“ sorgte für helle Aufregung bei den Fans. Satyr und Nocturno Culto verstehen es, selbst auf der Bühne ein typisches Black Metal-Feeling aufzubauen und dies bis zum Schluß zu halten. Bei diesem Auftritt ging überhaupt nichts schief und die spielerische Leistung der Norweger sprach für sich. Nach dem Konzert und einigen Tränen (ich Weichei) machten wir uns auf die Heimreise ins schöne Bayernland.


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