Konzerte

Veröffentlicht am 09.05.2015 von Christin Seegert

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W:O:A – DAS Metal Festival schlechthin

Wacken ist eine kleine Gemeinde in Schleswig-Holstein. Sie gehört zum Kreis Steinburg und hat eine Fläche von 7,1 km². Es leben etwa 1800 Einwohner in dem kleinen Ort und die musikalischen Größen hier sind die Wacken Firefighters, der Musikzug der örtlichen freiwilligen Feuerwehr. Doch an einem Wochenende im Jahr schaut die ganze Welt auf diesen kleinen Ort.

Immer am ersten Wochenende im August strömen 85.000 Menschen in den beschaulichen Ort und zwar um das Heavy Metal Festival schlichtweg zu besuchen.

Die Geburt des Wacken Open Air

Ende der achtziger Jahre hatten die beiden Männer Thomas Jensen und Holger Hübner aus Wacken die Idee ein Metal und Rock Festival in der Kiesgrube ihres Ortes zu veranstalten. Dort fanden schon Treffen des Motorradvereins mit bis zu 3000 Leuten statt. Es passte also perfekt zu ihren Vorstellungen, denn sie wollten den Besuchern auch ermöglichen zu campen. Am 24. und 25. August 1990 sollte dann das erste Mal das Wacken Open Air stattfinden. Die gesamte Organisation lief privat und selbst die Bühnen wurden selbst aufgebaut. Die Bands kamen aus Deutschland und das Festival lockte etwa 800 Besucher an. 1991 waren es dann schon 1300 Besucher. 1992 wurde das erste Mal eine professionelle Bühne aufgebaut. Das erste Mal traten auch zwei international bekannte Bands auf – Blind Guardian und Saxon. 2500 zahlende Gäste besuchten im diesem Jahr das Festival.

Die Organisatoren mussten den Zeltplatz auf dem benachbarten Feld von Uwe Trede verlegen.

Dieser sollte später zu einer Kultfigur des Festivals werden. Durch die Hohen Kosten für Security, die bis 1996 von befreundeten Motorradclubs bezahlt wurden, und Müllbeseitigung verzeichnete das Festival ein Minus von 25.000 DM. 1993 konnte das Festival wieder mit großen Namen wie Fates Warning, die sich gerade erst Wiedervereinigt hatten, und Doro Pesch locken. 3500 Zuschauer halfen aber auch nicht. Durch Fehlkalkulationen bei diversen Konzertveranstaltungen und hohen Ausgaben für das Festival stieg das Minus in der Bilanz auf 350.000 DM. Doch Hübner und Jensen gaben nicht auf, obwohl schon einige ihrer Partner ausgestiegen waren. Im Jahr 1994 machte das Festival erstmals kein Minus. 4500 Karten wurden verkauft und ab diesem Jahr musste auch der Campingplatz bezahlt werden, da die Müllbeseitigung einfach zu kostenintensiv war. Für die, die die Karten vorbestellten gab es aber ein kostenloses T-Shirt.

1995 blieben die Einnahmen weiterhin stabil, doch ein Gewinn konnte nicht verzeichnet werden. Die Bands blieben trotzdem international und die Organisation professionell. In diesem Jahr traten unter anderem Pretty Maids, Angra und D-A-D auf. Auch in den Medien wurde man auf das Festival aufmerksam. Das Magazin Hard Rock berichtete darüber, wie auch die Viva Sendung Metalla. 1996 konnten die Veranstalter neben Kreator einen weiteren Riesenact präsentieren: Die Böhsen Onkelz. Doch diese lockten nicht nur viele Zuschauer an, sondern verschreckten auch andere.

Der Band wurde unterstellt zur rechten Szene zu gehören und auch einige Bands sagten ihren Auftritt auf dem Festival ab.

Nach dem Festival wurden Stimmen laut, dass es nicht erwünscht ist, dass die Kiesgrube der Gemeinde für eine Veranstaltung dieser Größe genutzt wird. Wieder einmal rettete Uwe Trede die Lage. Er bot an, das Festival auf seinem Feld zu veranstalten, das bisher als Zeltplatz diente. Des Weiteren kümmerte er sich auch darum, dass die Veranstalter die umliegenden Felder nutzen konnten. Der Tourmanager der Böhsen Onkelz, Thomas Hess, stieg als Produktionsleiter mit ins Team ein. 1997 gab es dann erstmals eine dritte Bühne für unbekanntere Bands und Bands ohne Plattenverträge. In diesem Jahr knackte das Festival erstmals die 10.000 Besuchermarke.

Die folgenden Jahre

Das Festival wuchs von Jahr zu Jahr mehr und es spielten immer größere und bekanntere Bands. Im Jahr 2006 sechs hieß es, dass mit 62.500 Besuchern, das Maximum erreicht wäre. Dennoch wurde die Struktur des Festivals noch einmal geändert, um noch mehr Menschen zu ermöglichen es zu besuchen. Die Möglichkeit Karten direkt am Gelände zu kaufen wurde abgeschafft, damit man die Zahlen der Besucher besser unter Kontrolle halten konnte. 2007 war das Festival erstmals durch den Kartenvorverkauf schon ausverkauft. Dies sollte sich von da an auch nicht mehr ändern.

Das Festival wurde von zwei Tagen auf drei Tage erweitert und auch das Gelände wuchs immer mehr und mehr.

Es gab immer mehr Bühnen, aktuell sind es acht. Seit dem Jahr 2000 eröffnet der oben schon genannte Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wacken „Wacken Firefighters“ das Open Air im Festivaleigenen Biergarten. Einige Bands wie Scorpions, Slayer oder Helloween nahmen sogar Live DVDs auf dem Festival auf. Seit 2002 gibt einen Zug von Zürich nach Wacken – den „Metal Train“. Er fährt durch alle Großstädte auf dem Weg in den kleinen Ort. Seit 2002 gibt es mittwochs immer ein Fußballturnier, das mit neun Mannschaften begann – heute sind es 36. Die internationalen Teams setzten sich aus den Besuchern des Festivals zusammen. Das Turnier heißt W:O:A Soccercup.

Wacken heute

Das Wacken Open Air ist DAS Festival in der Metalszene. Aus allen Ländern dieser Welt reisen nicht nur die Bands, sondern auch die Besucher an, um von Donnerstag bis Samstag ein unvergessliches Wochenende zu erleben. Seit 2006 hat das Festival auch einen eigenen Radiosender, der während des Wochenendes ununterbrochen Heavy Metal und Hard Rock spielt. Das Gelände umfasst mittlerweile 220 Hektar und ist mit 40 km Bauzaun abgesperrt. Die Stromleistung von zwölf Megawatt entspricht etwa der einer Stadt mit 70.000 Einwohnern.

Das Wacken Open Air 2015 war bereits zwölf Stunden nach Beendigung des W:O:A 2014 schon ausverkauft.

Dabei war zu dem Zeitpunkt nicht mal eine Band bekanntgegeben worden. Das Festival ist Kult und jeder Anhänger der Metalszene möchte es gern einmal besuchen. Doch durch die wachsende internationale Popularität muss man schnell sein, wenn man zu den glücklichen 75.000 Tausend Besuchern gehören möchte. Außer man lebt in dem kleinen Örtchen Wacken – seine Einwohner bekommen immer eine Karte, kostenlos versteht sich.

Die Bühnen und das Festivalgelände von Wacken

Zu Beginn gab es nur eine Bühne auf dem Festival, heute sind es schon acht. Die größten Bühnen sind die beiden Zwillinge die „Black Stage“ und die „True Metal Stage“. Bei ihnen steht auch noch die Party Stage. Alle drei Bühnen sind zusätzlich noch mit LED-Walls ausgerüstet, um auch Zuschauern im hinteren Bereich einen Blick auf die Bühne zu ermöglichen. Die Bühnen sind nicht Genre gebunden und die Headliner spielen auf ihnen. Sie befinden sich im sogenannten Infield des Festivals. Die W.E.T. Stage und die Headbanger Stange stehen im „Bullhead City Circus“, dem Großzelt des Festivals. Mittwoch und Donnerstag findet dort die Metal Battles statt, Freitag und Samstag spielen dort Bands. Auch diese Bühnen sind keinem besonderem Genre zugeordnet. Dafür aber die anderen drei Bühnen. Auf der Wackinger Stage wird Mittelalterliche Musik, Folk und Pagan gespielt. Sie befindet sich auf dem Wackinger Areal, wo sich auch ein Mittelalter Markt mit mittelalterlichen Speisen- und Getränkeangebot.

Auf der Wasteland Stage wird apokalyptische Musik gespielt und das Wasteland Areal ist passend dazu als postapokalyptische Welt dargestellt. Auf der Beergarden Stage geht es eher volkstümlicher zu. Hier eröffnen auch die Wacken Firefighters jedes Jahr das Festival. Die Bühne befindet sich auf dem Wacken Center. So wird der Platz vor den Hauptbühnen genannt, auf dem sich die Einkaufsmeile Metal Markt befindet. Natürlich bekommt man hier auch allerlei Essen und Getränke. Des Weiteren findet man hier Geldautomaten, das Wacken Foundation Camp und das Movie Feld, das als Kino für Metal Dokumentationen oder diverse Spielfilme erhält. Zentral gibt es einen großen Security Check beim Betreten des Geländes. Der Campingplatz nimmt einen großen Teil des Festivalgeländes ein. Der Großteil der Besucher campt vor Ort.

Der Campingplatz ist in verschiedene Bereiche eingeteilt. Das Campen ab Mittwoch ist im Ticketpreis enthalten. Der Platz öffnet aber schon montags und wer früher kommt, muss eine Gebühr vor Ort begleichen. Auf den Campingplätzen finden sich Anlagen mit Duschen, Trinkwasserstellen und Spültoiletten, sowie Dixie-Toiletten, Supermärkte und Info Stände. Die Security, Polizei und Feuerwehr sind rund um die Uhr vor Ort im Einsatz.

Die soziale Ader der Metaller

Das Wacken Open Air engagiert sich in verschiedenen Bereichen. Die Musik hat dabei natürlich den größten Anteil. Jedes Jahr gibt es einen riesen Bandcontest, mit Nachwuchsbands aus allen Ländern. In Vorentscheiden wird entschieden welche Bands auf dem W:O:A auftreten dürfen. Dort treten sie in einem Bandbattle gegeneinander an und es wird ein Sieger gekürt. Früher erhielt dieser einen Plattenvertrag, heute werden sie mit Sach- und Geldpreisen ausgezeichnet. Die Wacken Foundation unterstützt Bands bei ihren Aufnahmen von CDs oder Planung von Touren. Im Jahr 2014 gab es zum ersten Mal das Wacken Music Camp. Dort wurde Jugendlichen gezeigt wie man Songs schreibt und diese dann auch spielt.

Das Camp fand am ursprünglichen Veranstaltungsort des Festivals statt. Des Weiteren wirbt das Festival immer wieder für Blutspenden – wo dann Blutabnahmestellen ganz im Wacken – Stil dekoriert werden – und für DKMS. Auf dem Festival 2014 hatten die Besucher die Möglichkeit sich für die Knochenmarkspendedatei typisieren zu lassen. Außerdem macht sich Wacken auch für die Krebsforschung stark.

Wacken – mehr als nur ein Festival

Zu jedem Festival gehört Mechandise, doch das ist bei Wacken noch lange nicht alles. Neben den üblichen Shirts und Pullovern lassen sie mit noch ganz anderen Sachen das Metaler Herz höher schlagen. Es gibt CDs, DVDs, sogar Bücher und Comics über das bekannteste Metal Festival der Welt. Es gibt sogar ein eigenes Bier, das Wacken Premium Pils heißt und ursprünglich aus einer Brauerei aus Bayern stammt. Seit 2013 gibt es auch noch die Full Metal Cruise – Kreuzfahrten, auf denen Metal Bands spielen. Darüber hinaus werden auch noch Ski-Urlaube angeboten und ein Urlaubsangebot nach Ibiza ist derzeit in Planung. Doch das ist noch nicht alles.

Auch diverse Festivals werden von den Organisatoren von Wacken ausgerichtet: Die Hamburger Metal Days, die Wacken Roadshow und Wacken Rocks.

Wacken ist schon lange nicht mehr nur ein einfaches Metal Festival. Es steht für DAS Metal Festival schlechthin und nebenbei breitet es immer weiter seine Arme aus. Wacken ist zu einer Marke geworden, dass nicht alle Fans befürworten. Trotzdem spielen immer noch die großen und kleinen Bands auf den Bühnen und es ist weiterhin jedes Jahr ausverkauft. Der Erfolg scheint kein Ende zu nehmen und wir hoffen auch, dass es das nicht wird. Eine Metal Szene ohne Wacken – das ist nicht vorstellbar!

photocredit: Facebook Wacken https://www.facebook.com/WackenOpenAir.official/photos/pb.123515234338747.-2207520000.1431188504./1005792489444346/?type=3&theater

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