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Veröffentlicht am 31.01.2016 von nemesis

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At Vance zum Labelwechsel nach der dritten Platte

Rumwurschteln und Rumknorzen samt Comics und Rubens

Eigentlich sollte Dragonchaser, die dritte Scheibe der deutschen Power Metaller um Sänger Oli Hartmann und Basser Olaf Lenk, der Band endlich auch mal einen größeren Namen bescheren. Nicht nur in Japan, denn da hatten die Jungs längst einen großen Status erreicht. Auch die deutsche Metal-Landschaft wusste At Vance durchaus zu schätzen, aber gerade im Live-Bereich mangelte es noch ein wenig mit der Live-Präsenz. Das sollte sich ab dieser Platte ändern, wie Olaf hoffte.

„Es hat nie an uns gelegen, dass in dieser Richtung sehr wenig passiert ist. Eine Plattenfirma sollte eine junge Band auch in diesem Bereich unterstützen. Es war ja kein Problem für uns, als Supportband unterwegs zu sein, es wäre nur mal wichtig gewesen, überhaupt mal auf die Bühne zu kommen. Dragonchaser war das letzte Album bei unserem Label. Es hatte eigentlich ganz gut geklappt mit der Firma, aber es lief gesamt nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten.“

Auf zu neuen Ufern

Nun lagen Angebote von mehreren Labels vor, At Vance hatten sich zum damaligen Zeitpunkt allerdings nicht entschieden. Die Wahl sollte schlussendlich auf AFM Records fallen. „Bei unserem nächsten Vertrag musste auf jeden Fall gewährleistet sein, dass wir auch Tour-Support bekommen.“ Bei einem Blick zurück würde Olaf auch was ändern. Allerdings in einer anderen Richtung.

„Ich mag alle unsere Scheiben, das Material gefällt uns nach wie vor sehr gut. Was ich heute allerdings anders machen würde, wäre die Produktion der ersten Scheibe. Aber man lernt eben nie aus.“ Auf Dragonchase fand sich auch wieder eine Heavy-Interpretation eines Klassik-Stückes, diesmal durfte Beethoven dran glauben. Auf jeden Fall gut gemacht. „Ich weiß allerdings nicht, ob die Leute den Nerv für dieses Stück haben, denn es ist schon sehr lang und anspruchsvoll.“

Allerdings findet man Fans, die so etwas zu schätzen wissen, wohl eher im Metal- als im Pop-Bereich. „Das auf jeden Fall. Was diese Mode-Strömungen betrifft, denke ich mir so meinen Teil. Es gibt ohne Zweifel auch immer wieder mal ganz gute Sache darunter, wie zum Beispiel seinerzeit diesen Deutschrock-Song ‚Bilder von Dir‘. Den finde ich fein. Ich selbst möchte mich nicht gezwungen sehen, Songs wie ‚Es ist schön, ein Arschloch zu sein‘ und was so in dieser Richtung folgte zu schreiben.“

Manches kommt eben nicht in die Tüte

Naja, eigentlich wurden Rammstein und Co. als Deutschrock bezeichnet, was vielleicht stilistisch nicht so ganz passend ist. Olaf sah das ähnlich und damit hatte sich das Thema Deutschrock eigentlich auch schon wieder. „Es ist eigentlich egal, ob ein Song abmetallt oder nicht, solange er gut ist.“ Stimmt schon. Doch auch wenn manche Songs neueren Baujahrs den Musiker nicht ganz kalt lassen, würden solche Elemente allerdings im Sound von At Vance auch weiterhin keine Verwendung finden.

„Das würde einfach nicht reinpassen. Sicher könnte ich so manche Sachen aus dem HipHop verwurschteln, aber naja?! Das wäre, als würde man einen Comic-Strip in ein Rubensbild setzen. Stilbruch ist wohl hier die passende Bezeichnung.“ Mit einem Stilbruch ganz anderer und für Anhänger der härteren Fraktion auch angenehmerer Art rechnete der gebürtige Rheinländer fest.

Sicher könnte ich so manche Sachen aus dem HipHop verwurschteln

Umbruch

„In Japan, Spanien und Frankreich lief es damals schon für uns wirklich toll. In Deutschland, Österreich und anderen Ländern auch ist es ein bisschen schwieriger, aber eigentlich okay. Es ist schwierig, lange dabei zu bleiben und auch die nötige Power dabei zu behalten. Mittlerweile sind die Rock- und Metal-Regale auch bei größeren Märkten wieder vernünftigt bestückt und teils sind auch dort Musikmagazine wieder erhältlich, wie es früher an der Tagesordnung war. Das ist nur eines der Anzeichen dafür, dass es mit dem Rock und Metal wieder bergauf geht – oder eben immer wieder. Zwar langsam, aber lieber so als schnell und kurzlebig.

Sicher findet man derzeit in den Charts weniger typischen Rock- und Metal-Sound, sondern teils modernere Formen, aber man sollte sich aus diesem Grund nicht verbiegen, sondern seinem Stil treu bleiben. Nimm` zum Beispiel Uli Jon Roth: Der verbiegt sich auch nicht. Würde man allerdings den Teens von heute seine Musik vorspielen, könnten die gar nichts damit anfangen. Jacob´s Dream waren ebenfalls eine geile Band, die auch ein wenig in die Richtung alte Queensryche tendiert. Aber für die Jugend ist diese Musik einfach zu abstrakt. Bei einem Song solcher Bands würden die Kids wahrscheinlich fragen, wann die Textteile ‘This is my last ressort’ kommt.“

Aber für die Jugend ist diese Musik einfach zu abstrakt

Sänger mit Eiern in der Stimme

Spaßiges Kerlchen, der auch kurz mal einen Exkurs über seine Zeit an bayerischen Schulen losließ. Olafs Meinung: Schwere Schule, aber ein wenig lebensfremd. Wer allerdings sein Abi in Berlin macht, braucht sich in München gar nicht um einen Studienplatz bewerben. Dennoch sollte der Bezug zur Realität und Gegenwart ein wenig flotter hergestellt werden. Aber zurück zum Thema. Auch auf dem drittem Output fand sich mit „The Winner Takes It All“ mal wieder eine Abbba-Coverversion.

„Wir haben überlegt, ob wir nochmal einen Song der Band verbraten sollen, aber dachten uns dann ‘hey, dann ist die Trilogie voll’. Das Original ist zwar ein wenig schmalzig, aber Oli sang das Teil einfach perfekt. Ich bin von ihm als Sänger eh total begeistert. Er hatte auch von Beginn an für Tobi Sammets Avantasia mit eingesungen. Da hat selbst Tobi mit den Ohren geschlackert. Oli klingt einfach nach einem Typen und zwitschert nicht so in der Gegend herum. Eine Menge Sänger versuchen auf Stratovarius und Helloween zu machen.

Bei Strato stört mich der hohe Gesang allerdings nicht, denn bei dieser Combo kommt es nicht nur auf den Gesang an, die Jungs haben einfach ihren eigenen Stil. Und Kai Hansen hat diese Art zu singen in Deutschland salonfähig gemacht. Mir gefällt es allerdings durchaus, wenn jemand zwar nicht das männlichste Organ hat, aber in Höhen und Tiefen variabel ist, wie etwa Geoff Tate. Gerade die ersten Platten von Queensryche sind einfach klasse. ‚Operation: Mindcrime‘ mag ich nicht, die war mir zu kommerziell.“ Gell, so geht des ned!

Gerade die ersten Platten von Queensryche sind einfach klasse

Mühe geben beim Scheiße sein

Und gleich geht´s mit der Lästerei weiter. „Wenn sich Band stilistisch verbiegen (Olafs Lieblingswort), kann oft nichts Vernünftiges dabei herauskommen. Metallica zum Beispiel. ‚Load‘ war ein totaler Ausfall. Die ‚Reload‘ kam schon wieder besser. Als ich Kirk Hammet mit kurzen Locken sah… oh je, das war ja oberscheiße. Für mich waren Metallica immer die Jeansjungs und dann…“… kamen sie auf einmal daher wie Heavy-Zuhälter. „Die haben sich richtig Mühe gegeben, Scheiße zu sein.“

Während sich also andere Bands bemühen, mistig zu sein, bemühen sich At Vance nur um eines: Sie selbst zu sein. „Bei uns gibt es nix Krampfiges (=Verkrampftes). Das Intro von Dragonchaser mit diesem Gewitter am Anfang mag vielleicht was Klischeehaftes haben, aber es passt einfach. Man kann sich bei dieser Stimmung so richtig gut ´nen Typen mit ´nem Schwert in den Flossen vorstellen und sich auf den Song einstimmen (rumschwärm). Ich bin nicht so der Schwertfanatiker, aber an dieser Stelle passt es. Und wenn es passt, ist es auch kein Klischee! Die Atmosphäre, die dadurch entsteht, passt super zum Bild des Songs.“

Zum Schluss wollte noch erwähnt werden, dass neben dieser Platte auch eine Compilation herauskam, die Songs vor At Vance´s Zeit als At Vance enthielt. Die Band war damals unter dem Namen Centers unterwegs, „das Bild des Sounds ist allerdings nicht mit dem von At Vance vergleichbar. Die Gewichtung lag für uns damals einfach anders.“ Dennoch bietet die Scheibe guten Heavy-Stoff, den man sich mal reinziehen sollte… auch wenn es nicht ganz wie At Vance klang – At Vnace, wie man sie kennt. Titel des Ganzen war: Early Works – Center

Alben:

1999 No Escape
2000 Heart of Steel
2001 Dragonchaser
2001 Early Works – Centers
2002 Only Human
2003 The Evil In You
2004 The Best Of
2005 Chained
2007 VII
2009 Ride The Sky
2010 Decade
2012 Facing your Enemy

photocredit: https://www.facebook.com/atvanceofficial/photos/pb.190188044337670.-2207520000.1453999893./847049008651567/?type=3&theater

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