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Veröffentlicht am 20.03.2016 von nemesis

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Geschichte Bullet TV

Wie war das damals eigentlich?

Sängerin und Metal-Röhre Sabina Clasen hatte es schon vor der Idee zu Bullet TV zum Moderieren hingezogen, wie manchen bekannt sein dürfte. Die Richtung geben heutzutage allerdings gänzlich andere Sendeformate an wie etwa Reality-Dokus. Und an sich war es eigentlich eine logische Folge, dass irgendwann etwas Eigenes an den Start kommen sollte. Und Bullet TV zeiget sich seinerzeit als Online-Sendung als etwas vollkommen Neues – daher ein kleiner Blick zurück. Denn manchen Sachen hat dies sicher den Weg geebnet.

Ein kleiner Exkurs

Mittlerweile existierte also Bullet TV. Punk, Rock und Metal im Internet mit CD-Besprechungen, Interviews, Festival-Berichten…. das Ganze nicht nur schön brav geschrieben, sondern mit Videos, Soundfiles etc. Bei dem ganzen Stress mit den diversen Open Airs und Festival, wie Wacken, dem Bang You Head…, musste sich Sabina damals auch noch die Zeit nehmen, ihren Motoradunfall zu verdauen. Mittlerweile ist sie wieder ganz gut auf den Beinen, aber komplett in Ordnung ist noch nicht alles. „Eigentlich war es noch gut, dass es bei diesem Unfall mich erwischt hat. Ich bin an einer Kreuzung weggefahren, neben mir eine Familie auf Fahrrädern samt zwei kleinen Kindern. Ich hatte an die 20 km/h drauf, als eine Suzuki auf mich drauf geknallt ist.“

Typischer Fall von überhöhter Geschwindigkeit und Vorfahrtsregeln nicht kennen. „Mein Chopper war in der Mitte voll durchgebrochen. Gottseidank hatte ich zuvor noch meine Fußraster vorverlegt. Dadurch bin ich von der Maschine geflogen und es ist nicht noch schlimmeres passiert. Hätte der Typ mich nicht erwischt, wäre wahrscheinlich den Kindern was passiert, und die hätten auf ihren Rädern keine Chance gehabt.“ So waren diese neun Monate also nicht nur für Bullet TV reserviert, sondern auch für diverse Doktoren.

Nette Mischung

„Nach der letzten Temple Of The Absurd-Tour (Sabinas damalige Band, von Holy Moses abgesehen) war erstmal Pause angesagt. Ich brauchte etwas Abstand. Unser Gitarrist hatte in der Zeit sein eigenes Studio aufgebaut und ich hatte mich voller Elan auf Bullet TV gestürzt. An sich eine gute Mischung: Bullet TV, Unfall und die Weisheitszähne hatten sie mir auch noch rausgemacht“, lachte die Powerfrau. „Ich wollte keine CD aus Zwang machen. Wenn es wieder anfing zu kribbeln, dann wahrscheinlich auch, weil ich die ganzen Bands damals bei den Festivals spielen hab` sehen und ich eben nichts machen konnte.

Ich bin eigentlich auf Dauer nur richtig relaxt, wenn ich auch hin und wieder selbst ins Mikro brüllen kann. Sonst brülle ich irgendwann meine Mitarbeiter an. Die haben eh schon gesagt: ‚Hey Sabina, geh` in den Proberaum und tob‘ dich mal wieder so richtig aus.‘ Sobald die Proben wieder anfangen, werden wir die in der Zwischenzeit entstandenen Ideen ausarbeiten.“ Nachdem das Baby Bullet TV in trockenen Tüchern lag, ließ sich das auch zeitlich mit Temple Of The Absurd vereinbaren.

Bis alles sitzt

„Am Anfang war es mit der Sendung eine Menge Arbeit. Aber nach neuen Monaten, war das Baby da. Mittlerweile wurde es zu Alltagsjobs, und das Team hatte sich gut aufeinander eingespielt. Selbst zu Holy Moses-Zeiten (Sabinas allererste Combo) hatte ich nebenbei immer gearbeitet. Ich dachte nicht mal, dass wir mit diesem Krach jemals einen Deal bekommen könnten. Außerdem macht man sich zu schnell abhängig, wenn man nur auf eine Sache baut. Ich möchte mein Leben durch meine Arbeit bestreiten, dann habe ich auch den Kopf frei für die Musik. Macht mich auch ausgeglichener. Viele sind der Meinung, man könne sich nur auf eine Sache richtig konzentrieren, aber ich kann nicht nur eines in Angriff nehmen.

Als hätte ich zwei kleine Teufel auf der Schulter. Der eine schreit ‚Band-Probe‘ und der andere ‚Bullet TV‘. Es hat sehr viel mit Spaß und Idealismus zu tun, wenn man sich mehreren Sachen widmet, aber im normalen Arbeitsalltag.“ Hin und wieder gewinnt man recht leicht den Eindruck, die Leute würden immer mehr an Energie verlieren. Raus aus der Arbeit und:

Das Sabina-Doppel

Ende des Gesprächs. Die meisten haben nicht einmal mehr die Kraft, einem Hobby nachzugehen. Sicher teils verständlich, macht man sich so manche Arbeitssituation deutlich. Aber dass oft gar nichts mehr geht? „Ich kann eigentlich nur von mir ausgehen. Alles, was ich bisher getan habe, habe ich in eine Richtung, zur Musik, gelenkt. Selbst während meines Studiums. In diesem Bereich kannte ich mich immer aus und habe viel gelernt. Weil eben auch viel Scheiße passiert ist. Nun nutze ich meine Kenntnisse in meinem Beruf, auch für andere Bands. Es ist nicht einfach, sein Hobby zum Beruf zu machen, und irgendwie bin ich eine Doppel-Sabina: Die private und die Verlags-Sabina.

Ich kann es durchaus trennen, wenn jemand für mich arbeitet, mit dem ich auch befreundet bin.“ Während viele Menschen eher dazu neigen, so etwas von sich aus nicht trennen zu könne, liegt bei Sabina der Hase eher umgedreht in der Grube. „Einige kommen damit nicht klar. Unter diesen Umständen muss man sich eben von den Leuten, zumindest in einem Bereich, trennen. Dennoch haben wir bei Bullet TV einen großen Stab an Mitarbeitern zusammen. Dieses Dilemma habe ich auch schon in Texten angesprochen. Andere sehen oft eine Leitfigur in mir.“ Und selbst dabei kann schon oft mal Neid aufkommen. Weil einem eben vor Augen geführt wird, was man selbst gern auf die Reihe bekommen würde, es aber einfach nicht schafft. „Der Tag hat 24 Stunden, und irgendwann muss ich eben mal schlafen. Wenn ich um 14 h müde bin, lege ich mich hin.

Eine Sache des Gefühls

Dafür arbeite ich eben später länger. Hauptsache, am Ende habe ich mein eigenes Pensum erfüllt. Dabei habe ich keine festen Vorstellungen, was alles erledigt sein muss, sondern einfach irgendwann das Gefühl, dass es jetzt eben gut ist. Es hat sich herausgestellt, dass darauf viele Leute neidisch sind. Das kann recht schmerzhaft sein, denn oftmals sind dies auch Menschen, denen man vertraut hat. Aber diese Personen haben mein Vertrauen dann nicht verdient, sie arbeiten gegen mich. Wieder andere halten mich auch für eine Sabbeltante und trauen mir das alles, was ich tue, nicht zu. Das sind Düster-Denker, die ihre negativen Vibes an andere weitergeben wollen.

Nur, weil sie selbst manches nicht schaffen, wollen sie anderen einreden, sie könnten es auch nicht. Oder sie versuchen einen dazu zu bewegen, etwas zu ändern. Es gibt auch solche, die nicht verstehen, dass ich an meinem Computer arbeite und nicht zum Spielen davor sitze.“ Genauso wie Sabina privat und beruflich trennt, verkrümelt sie sich zu ihren kreativen Anfällen ein Stockwerk weiter nach oben in ihre Wohnung. „Ich gehe aus dem Büro, wenn ich will und nicht, wenn es 18 h ist. Texte kann ich zum Beispiel nur in meinem Zimmer schreiben. Da zünde ich dann Räucherstäbchen an und verpeste die Luft“, witzelte Sabina.

Besprechen, nicht kritisieren

„Es ist allerdings nicht so, dass meine Gedanken abschalten, wenn ich vom Computer weg bin. Mittendrin fällt einem noch was ein, ohne dass man sich mit der Arbeit beschäftigt hat, und dann macht man das eben noch schnell.“ Das nennt man wohl Abschalten und auch wieder nicht. Allerdings muss eine ruhige Atmosphäre her, wenn es darum geht, CDs zu hören. „Ich kann nicht tippen und mich gleichzeitig auf Musik konzentrieren.

Das ist schade um die Scheibe. Ich brauche immer eine Platte zum Abschalten und dann kann ich mich auf die Mucke konzentrieren. Wobei es wirklich von meiner Stimmung abhängt, was mir gerade gefällt. Ich handhabte es bei Bullet TV auch so, dass es keine CD-Kritiken gibt, sondern Beschreibungen. Ich hänge mich etwa nicht so an Sachen wie der Produktion auf.

Die Bands haben die Verantwortung, dass die CD hörbar ist. Für Faktoren wie wenig Kohle für den Mix, einen unpassenden Produzenten oder dass ein Label eine Band zu früh an den Start gehen lässt, kann man als Kritiker nicht die Combos verantwortlich machen. Würden die ersten Holy Moses-Demos heute veröffentlicht, die Leute würden weglaufen. Ich bin damals mit 14 Jahren zu der Band ohne zu wissen, was eine Band eigentlich ist.

Wenn sich Musiker auskotzen

Früher sind die Bands noch gewachsen.“ Abgesehen von all diesen Faktoren gewinnt man aber trotzdem ab und an den Eindruck, manche Journis würden sich ein wenig gestresst an ihren Job machen. „Ich kenne eine Menge Musiker, die sich schon bei mir ausgeheult haben und mich fragten, warum dieser oder jene Schreiberling sie nicht mag, und sie würden sich doch so anstrengen. Die Bands geben sich wirklich Mühe und sind nach diversen Verrissen natürlich frustriert. Unter den Journalisten finden sich viele Möchtegern-Musiker, die einfach frustriert sind. Und diesen Frust bringen sie dann in CD-Kritiken zum Ausdruck. Die sollten lieber eine Runde Fahrrad fahren um sich abzureagieren und dann die Kritik schreiben.

Und was so manche Kommentare in den Reviews zu Produktionen betrifft: Die Stereo-Anlagen bei einigen Mags sind einfach ein Armutszeugnis.“ Sabina sieht neben der ‚Macht‘ auch die Verantwortung für die Szene. „Es ist nicht immer einfach, etwas zu bewegen. Aber dennoch trifft man immer wieder auf Leute, die ebenfalls aus Idealismus bei der Sache sind. Und die es hoffentlich auch bleiben.“

 

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