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Veröffentlicht am 21.03.2016 von nemesis

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Millenium über Hourglass

Der Tag als Jorn Lande Feuer fing

Hourglass, das dritte Album von Millenium konnte auch getrost als deren bestes ansehen. Einen Kick kraftvoller, ausgewogener und selbständiger in den Kompositionen entwickelte sich dieser Silberling zu einer wahren Perle unter den Melodic Veröffentlichungen. Doch bevor wir auf diese Scheibe zu sprechen kamen, gab es noch ein paar Fragen an Neuzugang Jorn Lande, der kurz zuvor mit Starfire ebenfalls eine sehr gute Solo Scheibe vorgelegt hatte und mit seiner markanten Stimme aus dem Metal Bereich ja mal gar nicht wegzudenken ist. So ist er auch beim im Januar kommenden Avantasia Album wieder mit an Bord.

Cityboy und Queen auf gleicher Stufe

Neben eigenen Songs, hatte der Sänger auch mehrere, sehr gut umgesetzte Cover-Versionen drauf gepackt. Unter anderem auch den Cityboy-Titel „The Day The Earth Caught Fire“, an dem sich einige Monate vorher auch schon Lions Share vergriffen hatten. Wieso allerdings gerade ein Song, der nicht unbedingt soo bekannt ist? „Cityboy und ihre Scheibe The Day The… waren einer der Gründe für mich, weshalb ich angefangen habe, Musik zu machen. Als ich kleine, habe ich mir vorgenommen, dass ich diesen Song für meine Freunde spielen werden, wenn ich groß bin. Es ist einfach eines der besten Konzept-Alben, und Cityboy stehen mindestens auf der gleichen Stufe wie Queen. Nur fanden sie seitens der Presse nie dieselbe Unterstützung.

Und es ist nun mal so, dass alles gut ist, was auch die Medien toll finden. Dieser Song und diese Band war nicht mein einziger Einfluss, aber der stärkste und für mich wichtigste. In meinen Augen ist dieses Album einfach perfekt. Ich habe diese ganzen Cover-Songs auf jeden Fall nicht auf die Scheibe genommen, weil ich sie dem AOR- oder Melodic Rock Markt anpassen wollte. Diese ganzen Stücke sind mir einfach unwahrscheinlich wichtig, und das wollte ich mit den Hörern teilen.“

Mal in AOR-Revieren wildern

In dieser Hinsicht sollten nun alle Klarheiten beseitigt sein, wandten wir uns also mal Hourglass zu. „Ich bin durch mein Label mit den Jungs von Millenium in Kontakt gekommen. Ich wurde gefragt, ob ich Interesse hätte, den Gesangsposten zu übernehmen, bekam Material zugeschickt und dann haben wir uns an die Arbeit gemacht. Ich wollte schon immer diesen AOR-Sound ausleben, hatte aber bisher nie die passende Band dazu. Ich kann mich mit dem Sound von Millenium voll und ganz identifizieren. Ich hoffe auch, dass die musikalische Entwicklung wieder ein wenig in der Zeit zurück geht und sich von dieser Crossover- und Grunge Schiene entfernt. Wir haben Hourglass nicht für irgendeinen Markt konstruiert, wir haben nur unser Bestes gegeben. Uns waren sowohl die klassischen als auch die Heavy Einflüsse wichtig.

Ebenso sollten die Songs über eine gute Portion Abwechslung verfügen.“ Jorn ist ein Idealist durch und durch, und für ihn gibt es bezüglich der Musik eigentlich nichts Wichtigeres als dass ein Künstler tun kann, was er möchte und empfindet. „Es gibt eine Menge guter Scheiben, aber zu viele Wiederholungen davon. Man sollte schon in der Lage sein, etwas zu variieren. Bei uns ist es wie im richtigen Leben: Wir richten uns nicht nach Regeln, wir tun, was wir mit uns vereinbaren können.“ Womit das Gespräch auch schon in Richtung allgemeines System abwandert.

Selbst denken? Auch im Biz nicht gern gesehen

„Glaubst du, dass das System selbständig denkende Menschen will“, kommt die rhetorische Frage aus dem Telefonhörer. Also, ich mag ja nicht der große Intelligenzbolzen sein, aber das hab` auch ich schon begriffen, dass das sicher nicht der Fall ist. „Das System will funktionierende Menschen, die dafür sorgen, dass die wirtschaftliche Lage und der Reichtum eines Landes ständig anwächst. Da kann man keine Idealisten brauchen. Die Leute bekommen Dummheit, um ja nicht anzufangen zu denken. Eine neue Weltordnung mit einer Art Robotergesellschaft. Das wäre gut für das System“, legt Jorn eine gute Portion Zynismus an den Tag. Leute ohne Hirn und Gefühl seien erwünscht und gefragt.

Das Entertainment nicht ausgenommen

„Ich werde auch das Gefühl nicht los, dass dieses System, diese Entwicklung auch ganz stark mit der Art des Entertainments zusammenhängt, bzw. das Entertainment von dieser Seite nicht ganz unbeeinflusst ist. Sicher kann man darüber nur spekulieren, aber irgendwie scheint es manchmal auf der Hand zu liegen. Die Menschen müssen wieder lernen, dass sie nicht nur Teil eines Ganzen sind, sondern auch Individuen mit Selbstverantwortung. Es ist eine Gratwanderung, wenn man sein eigenes Leben führen möchte, denn passt man sich an, wird einem das Leben gleich viel leichter gemacht.

Es ist immer eine knappe Grenze zwischen Eigenverantwortung und Unterwerfung, wenn man einigermaßen durch sein Leben kommen will. Ich finde es zum Beispiel schlimm, wie mit Selbständigen umgegangen wird. Man arbeitet hart für sein Geld, hat keine Sicherheiten, liegt niemanden auf der Tasche, aber wehe, man wird mal krank. Ich könnte es mir nicht erlauben, krank zu werden. Denn die Steuern, die man als Selbständiger bezahlt, sind eine Frechheit im Gegensatz zu dem, was man vom Staat bekommt, wenn man Hilfe braucht. Aber da wären wir wieder bei dem selbstbestimmten Leben.“

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